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Wichtige Röntgenzeichen am Bewegungsapparat – Erkennen und richtig interpretieren

Zwei Radiologen besprechen Röntgenaufnahmen von Halswirbelsäule, Knie, Ellenbogen und Lendenwirbelsäule auf einer grossen Monitorwand.

Klassische Röntgenzeichen helfen, subtile Verletzungen und charakteristische Veränderungen des Bewegungsapparates zu erkennen. Einige weisen auf Frakturen hin, die selbst nicht unmittelbar sichtbar sind. Andere ermöglichen Rückschlüsse auf Bandverletzungen, Durchblutungsstörungen oder systemische Erkrankungen. Entscheidend ist dabei nicht allein das Wiedererkennen eines Zeichens, sondern seine Einordnung in den anatomischen und klinischen Zusammenhang.

Die konventionelle Radiographie bleibt insbesondere bei traumatischen und strukturellen Veränderungen eine wichtige erste Untersuchung. Ihre Grenzen müssen jedoch berücksichtigt werden: Viele Röntgenzeichen sind indirekt oder unspezifisch und erlauben keine abschliessende Diagnose. Die folgenden 13 Zeichen zeigen, wie sich aus der sorgfältigen Analyse von Konturen, Gelenkspalten, Knochenstruktur und Weichteilen diagnostisch relevante Informationen gewinnen lassen und wann CT oder MRT zusätzliche Erkenntnisse liefern.

Inhaltsverzeichnis

1. Traumatische Verletzungen und indirekte Frakturzeichen

Fettpolsterzeichen (Fat Pad Sign)

Das Fettpolsterzeichen wird vor allem in der seitlichen Ellenbogenaufnahme beurteilt. Normalerweise liegt das dorsale Fettpolster innerhalb der Fossa olecrani und ist nicht sichtbar. Bei einem Gelenkerguss kann es nach dorsal verdrängt werden und als umschriebene Aufhellung erscheinen. Das ventrale Fettpolster kann physiologisch erkennbar sein; seine ausgeprägte Anhebung wird als Sail Sign bezeichnet.

Nach einem Trauma ist insbesondere ein sichtbares dorsales Fettpolster ein wichtiger indirekter Hinweis auf eine okkulte intraartikuläre Fraktur. Bei Erwachsenen betrifft dies häufig das Radiusköpfchen, bei Kindern unter anderem den distalen Humerus. Das Zeichen weist jedoch zunächst auf einen Gelenkerguss hin und ist nicht mit einem direkten Frakturnachweis gleichzusetzen. In einer Metaanalyse pädiatrischer Ellenbogenverletzungen lag die Häufigkeit okkulter Frakturen bei positivem Fettpolsterzeichen bei rund 45 Prozent.

Die Aussagekraft hängt von einer korrekt eingestellten seitlichen Aufnahme und dem klinischen Kontext ab. Bei anhaltendem Frakturverdacht trotz fehlender sichtbarer Frakturlinie kommen je nach Fragestellung Verlaufskontrollen, CT oder MRT infrage. Die Wahl der weiterführenden Untersuchung richtet sich danach, ob der knöcherne Frakturverlauf, eine osteochondrale Verletzung oder zusätzliche Weichteilveränderungen beurteilt werden sollen.


Kortikaler Stufenversatz

Ein kortikaler Stufenversatz bezeichnet die Unterbrechung des normalerweise kontinuierlichen Verlaufs der Knochenkortikalis. Er kann sich als geringe Niveauänderung, Knickbildung oder Versatz zweier Kortikalisabschnitte darstellen. Besonders bei wenig dislozierten Frakturen kann diese Konturunregelmässigkeit auffälliger sein als eine eigentliche Frakturlinie.

Die Beurteilung erfolgt entlang der gesamten sichtbaren Kortikalis und möglichst in zwei zueinander senkrechten Projektionen. Typische Fehlerquellen sind anatomische Überlagerungen, Projektionsartefakte, Gefässkanäle und normale Varianten der Knochenkontur. Auch degenerative Anbauten oder ältere posttraumatische Veränderungen können einen scheinbaren Stufenversatz erzeugen.

Im Unterschied zu vielen klassischen indirekten Röntgenzeichen ist der kortikale Stufenversatz ein unmittelbarer morphologischer Hinweis auf eine mögliche Fraktur. Er ist allerdings kein eigenständiges, spezifisches Krankheitszeichen. Bei komplexer Anatomie oder unzureichender Darstellung kann die CT den Frakturverlauf und das Ausmass der Dislokation präzisieren.


Laterales Femurkerbenzeichen (Lateral Femoral Notch Sign)

Das laterale Femurkerbenzeichen beschreibt eine auffällige Vertiefung der subchondralen Kontur im Bereich des terminalen Sulcus des lateralen Femurkondylus. Es wird vor allem in der seitlichen Knieaufnahme sichtbar. Die Vertiefung kann Ausdruck einer traumatischen Impaktion des lateralen Femurkondylus sein.

Das Zeichen ist insbesondere mit Rupturen des vorderen Kreuzbandes assoziiert. Hintergrund ist ein typischer Verletzungsmechanismus mit anterolateraler Translation und Rotation der Tibia gegenüber dem Femur. In der Literatur werden unterschiedliche Tiefengrenzwerte diskutiert; eine Vertiefung von mehr als etwa 1 mm wurde in einzelnen Untersuchungen als relevanter Hinweis beschrieben. Die Messung ist jedoch von Projektion, Messmethode und untersuchter Population abhängig.

Ein ausgeprägtes laterales Femurkerbenzeichen sollte deshalb Anlass geben, gezielt nach weiteren Hinweisen auf eine Kreuzbandverletzung zu suchen. Es beweist eine Ruptur des vorderen Kreuzbandes nicht und ersetzt bei entsprechender klinischer Fragestellung keine MRT. Ebenso schliesst das Fehlen des Zeichens eine Bandverletzung nicht aus.


Arcuate-Zeichen (Arcuate Sign)

Das Arcuate-Zeichen bezeichnet eine knöcherne Ausrissverletzung im Bereich des Fibulaköpfchens beziehungsweise des Processus styloideus fibulae. In der konventionellen Röntgenaufnahme zeigt sich ein kleines knöchernes Fragment, dessen Lokalisation auf eine Verletzung der posterolateralen Band- und Sehnenstrukturen des Kniegelenks hinweisen kann.

Die posterolaterale Ecke des Kniegelenks umfasst mehrere funktionell zusammenwirkende Strukturen, darunter das fibulare Kollateralband, die Popliteussehne und das popliteofibulare Ligament. Je nach Lokalisation des Ausrissfragments können unterschiedliche Ansatzstrukturen betroffen sein. Das Arcuate-Zeichen ist daher nicht mit dem isolierten Nachweis einer Verletzung eines bestimmten Bandes gleichzusetzen.

Seine Bedeutung liegt vor allem darin, dass eine scheinbar kleine knöcherne Verletzung auf eine komplexere Instabilität hinweisen kann. Bei entsprechendem Verletzungsmechanismus und klinischem Verdacht sollte die MRT zur Beurteilung der posterolateralen Strukturen sowie möglicher Begleitverletzungen der Kreuzbänder und Menisken erwogen werden.


2. Osteonekrose und posttraumatische Veränderungen

Hawkins-Zeichen (Hawkins Sign)

Das Hawkins-Zeichen ist eine bandförmige subchondrale Aufhellung der Talusrolle, die typischerweise etwa sechs bis acht Wochen nach einer Talushalsfraktur sichtbar werden kann. Die Aufhellung beginnt häufig medial und kann sich im weiteren Verlauf nach lateral ausdehnen. Sie entspricht einer subchondralen Knochenresorption bei erhaltener Durchblutung.

Das Zeichen besitzt vor allem prognostische Bedeutung. Sein Auftreten spricht für eine erhaltene Vaskularisation zumindest wesentlicher Anteile des Taluskörpers und ist mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit einer posttraumatischen Osteonekrose assoziiert. Umgekehrt beweist ein fehlendes Hawkins-Zeichen keine Osteonekrose. Zeitpunkt der Aufnahme, Frakturschwere und individuelle Heilungsverhältnisse müssen berücksichtigt werden.

Bei ausbleibendem Hawkins-Zeichen und fortbestehendem klinischem Verdacht kann die MRT zur weiteren Beurteilung der Talusvitalität beitragen. Dabei sind postoperative Veränderungen, Implantate und der zeitliche Abstand zur Verletzung zu berücksichtigen. Das Hawkins-Zeichen ist somit kein primäres Frakturzeichen, sondern ein Verlaufszeichen nach Talusfraktur.


Sichelzeichen (Crescent Sign)

Das Sichelzeichen bezeichnet eine schmale, bogenförmige subchondrale Aufhellung, die insbesondere bei einer Osteonekrose des Femurkopfes auftreten kann. Morphologisch entspricht sie einer subchondralen Fraktur in der belasteten Region des nekrotisch veränderten Knochens.

Die subchondrale Fraktur markiert einen wichtigen Übergang im Krankheitsverlauf: Während frühe osteonekrotische Veränderungen in der konventionellen Radiographie noch unsichtbar sein können, weist das Sichelzeichen auf eine strukturelle Schädigung hin, der eine Abflachung oder ein Einbruch der Gelenkfläche folgen kann. Die Erkennung hat daher unmittelbare Bedeutung für die Stadieneinteilung und therapeutische Planung.

Das Sichelzeichen ist nicht mit einer beliebigen subchondralen Aufhellung gleichzusetzen. Insbesondere subchondrale Insuffizienzfrakturen, degenerative Zysten und andere osteochondrale Veränderungen müssen differenziert werden. Die MRT ist für den Nachweis früher Osteonekrosen und die Abgrenzung gegenüber anderen subchondralen Läsionen wesentlich empfindlicher als das konventionelle Röntgenbild. Bei Verdacht auf einen Gelenkflächeneinbruch kann ergänzend die CT hilfreich sein.


Pellegrini-Stieda-Verkalkung

Die Pellegrini-Stieda-Verkalkung zeigt sich als längliche oder unregelmässige Verkalkung beziehungsweise Ossifikation an der medialen Seite des distalen Femurs, typischerweise in der Nähe des femoralen Ansatzbereichs des medialen Kollateralbandkomplexes. Sie kann sich nach einer früheren Verletzung entwickeln und ist häufig ein chronischer Befund.

Die radiologische Morphologie erlaubt zunächst die Beschreibung einer periartikulären Mineralisation. Aus ihrem Nachweis allein lässt sich weder eine aktuelle Bandruptur noch eine klinisch relevante Instabilität ableiten. Ebenso sollte nicht jede Verkalkung am medialen Femurkondylus automatisch als Pellegrini-Stieda-Läsion bezeichnet werden. Differenzialdiagnostisch kommen unter anderem heterotope Ossifikationen, Enthesiopathien und ältere knöcherne Ausrissverletzungen infrage.

Bei asymptomatischen Patienten besitzt der Befund häufig keine unmittelbare therapeutische Konsequenz. Bestehen Schmerzen, Bewegungseinschränkungen oder Hinweise auf eine aktuelle Bandverletzung, richtet sich die weiterführende Diagnostik nach der klinischen Fragestellung. Die MRT kann die Weichteilstrukturen beurteilen, während Röntgen und CT die mineralisierte Veränderung besser charakterisieren.


3. Strukturelle und metabolische Wirbelkörperveränderungen

Vakuumphänomen und intravertebrale Vakuumspalte (Intravertebral Vacuum Cleft Sign)

Das Vakuumphänomen bezeichnet gasbedingte Aufhellungen, die im Bewegungsapparat insbesondere in degenerativ veränderten Bandscheiben und Gelenken auftreten. Davon zu unterscheiden ist die intravertebrale Vakuumspalte: eine lineare oder unregelmässige Gasansammlung innerhalb eines Wirbelkörpers, häufig im Zusammenhang mit einer osteoporotischen Wirbelkörperfraktur.

Eine intravertebrale Vakuumspalte kann auf eine gestörte Frakturheilung mit persistierender Beweglichkeit im Frakturbereich hinweisen. Sie wird unter anderem bei verzögert heilenden Frakturen, Pseudarthrosen und osteonekrotischen Veränderungen beschrieben. Die Spalte kann lage- und belastungsabhängig unterschiedlich ausgeprägt sein; ihr Nachweis wird deshalb auch von der Aufnahmetechnik beeinflusst.

Die intravertebrale Gasansammlung ist nicht in jedem Fall ein Beweis für eine Osteonekrose. Entscheidend sind Frakturmorphologie, zeitlicher Verlauf und mögliche Begleitveränderungen. In der CT lässt sich Gas besonders zuverlässig nachweisen. Die MRT ermöglicht die Beurteilung von Knochenmarkveränderungen, Flüssigkeitsspalten, frischen Frakturanteilen und möglichen malignen oder entzündlichen Ursachen einer Wirbelkörperdestruktion.


Elfenbeinwirbel (Ivory Vertebra)

Als Elfenbeinwirbel wird ein diffus und relativ homogen sklerosierter Wirbelkörper bezeichnet, dessen Röntgendichte gegenüber den benachbarten Wirbeln deutlich erhöht ist. Die äussere Wirbelkörperform kann dabei zunächst erhalten bleiben. Der Begriff beschreibt ausschliesslich ein radiologisches Erscheinungsbild und keine bestimmte Erkrankung.

Zu den wichtigen Differenzialdiagnosen gehören osteoblastische Metastasen, insbesondere bei Prostatakarzinom, das Hodgkin-Lymphom und der Morbus Paget. Auch andere Ursachen einer ausgeprägten Wirbelkörpersklerose sind möglich. Die Verteilung der Veränderungen, das Vorliegen weiterer Knochenläsionen und die klinische Vorgeschichte sind für die Einordnung entscheidend.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Hinterkante, Pedikel und angrenzenden Weichteile sowie die Frage, ob zusätzliche osteolytische oder destruierende Komponenten vorliegen. CT und MRT können zur Charakterisierung beitragen; bei Verdacht auf eine neoplastische Ursache richtet sich die weitere Diagnostik nach dem klinisch-onkologischen Kontext. Eine allein aus der Röntgenmorphologie abgeleitete ätiologische Festlegung ist nicht gerechtfertigt.


Rugger-Jersey-Wirbelsäule (Rugger Jersey Spine)

Die Rugger-Jersey-Wirbelsäule ist durch eine bandförmige Sklerosierung der kranialen und kaudalen Wirbelkörperabschnitte bei vergleichsweise geringerer Dichte der zentralen Wirbelkörperanteile gekennzeichnet. Dadurch entsteht ein streifenförmiges Erscheinungsbild, das an die Querstreifen eines Rugbytrikots erinnert.

Das Zeichen wird klassischerweise im Rahmen einer renalen Osteodystrophie bei chronischer Nierenerkrankung beschrieben, insbesondere im Zusammenhang mit sekundärem Hyperparathyreoidismus. Die Veränderungen sind häufig an mehreren Wirbelkörpern erkennbar. Weitere mögliche Skelettbefunde umfassen subperiostale Knochenresorptionen, generalisierte Veränderungen der Knochendichte und Weichteilverkalkungen.

Die streifenförmige Sklerosierung ist nicht isoliert diagnostisch beweisend. Andere Ursachen bandförmiger Wirbelkörpersklerosen müssen je nach Morphologie und klinischer Situation berücksichtigt werden. Eine sinnvolle Einordnung erfordert die Berücksichtigung der Nierenfunktion sowie des Kalzium-Phosphat- und Parathormonstoffwechsels.


4. Wirbelsäulenveränderungen und Weichteilzeichen

Bambusstabwirbelsäule (Bamboo Spine)

Die Bambusstabwirbelsäule bezeichnet das charakteristische Erscheinungsbild einer fortgeschrittenen ankylosierenden Spondylitis. Durch die Ausbildung ausgedehnter knöcherner Brücken, insbesondere marginaler Syndesmophyten, können benachbarte Wirbelkörper miteinander verbunden werden. Die Wirbelsäule erscheint dadurch in der Frontalaufnahme zunehmend segmentübergreifend verknöchert.

Das klassische Bild entsteht erst in fortgeschrittenen Krankheitsstadien. Sein Fehlen schliesst eine axiale Spondyloarthritis nicht aus. Frühere strukturelle Veränderungen betreffen häufig die Iliosakralgelenke und können sich später an den Wirbelkörperecken, den Bandscheiben angrenzenden Strukturen und den Wirbelgelenken manifestieren.

Differenzialdiagnostisch ist insbesondere die diffuse idiopathische Skeletthyperostose (DISH) zu berücksichtigen, bei der häufig kräftige, fliessende anterolaterale Ossifikationen auftreten. Für die Unterscheidung sind Verteilung und Morphologie der Knochenneubildungen sowie Veränderungen der Iliosakralgelenke relevant. Bei klinischem Verdacht auf eine frühe axiale Spondyloarthritis kann die MRT entzündliche Veränderungen nachweisen, bevor ausgeprägte radiographische Strukturveränderungen vorliegen.

Bei bereits ankylosierter Wirbelsäule hat das Zeichen zudem traumatologische Bedeutung. Aufgrund der veränderten Biomechanik können auch gering erscheinende Traumata zu instabilen, mehrsäuligen Frakturen führen. Bei entsprechendem Verdacht ist die CT der konventionellen Radiographie zur Frakturdiagnostik deutlich überlegen.


Invertierter Napoleonhut (Inverted Napoleon’s Hat Sign)

Das Zeichen des invertierten Napoleonhuts wird in der a.-p.-Aufnahme des lumbosakralen Übergangs bei ausgeprägtem Wirbelgleiten beschrieben, insbesondere bei hochgradiger Spondylolisthesis beziehungsweise Spondyloptose von L5 über S1. Durch die Projektion des nach ventral verlagerten Wirbelkörpers und der angrenzenden knöchernen Strukturen entsteht eine charakteristische Kontur, die an einen umgedrehten Zweispitz erinnert.

Das Zeichen ist vor allem ein Hinweis auf eine erhebliche Fehlstellung am lumbosakralen Übergang. Es ersetzt weder die genaue Beurteilung des Gleitgrades noch die Analyse der sagittalen Ausrichtung. Diese erfolgen vorzugsweise anhand geeigneter seitlicher Aufnahmen, gegebenenfalls ergänzt durch weitere Bildgebung zur Beurteilung der knöchernen Anatomie und möglicher neuraler Kompressionen.

Die klinische Relevanz ergibt sich aus dem Ausmass der Fehlstellung, der sagittalen Balance und möglichen neurologischen Auswirkungen. Der historische Zeichenname besitzt vor allem Wiedererkennungswert; für den Befundbericht ist eine präzise morphologische Beschreibung der Spondylolisthesis aussagekräftiger.


Paravertebrales Weichteilzeichen

Paravertebrale Weichteilkonturen können insbesondere in der Thoraxaufnahme Hinweise auf pathologische Prozesse an der Brustwirbelsäule und im angrenzenden Mediastinum geben. Auffällig sind beispielsweise eine einseitige oder beidseitige Verbreiterung der paravertebralen Weichteilschatten, eine umschriebene Vorwölbung oder eine Veränderung des normalerweise regelmässigen Konturverlaufs.

Das Zeichen ist unspezifisch. Mögliche Ursachen umfassen paravertebrale Raumforderungen, entzündliche Veränderungen mit Abszessbildung, Blutungen nach Trauma und andere Weichteilprozesse. Eine begleitende Destruktion der Wirbelkörperabschlussplatten oder eine Bandscheibenraumveränderung kann den Verdacht auf eine Spondylodiszitis verstärken, ist aber insbesondere in frühen Stadien nicht zwingend vorhanden.

Die konventionelle Radiographie erlaubt weder eine zuverlässige Gewebecharakterisierung noch den sicheren Ausschluss einer paravertebralen Erkrankung. Bei Verdacht auf eine spinale Infektion oder eine epidurale Ausdehnung ist die MRT die entscheidende weiterführende Untersuchung. Nach einem Trauma kann die CT gleichzeitig knöcherne Verletzungen und paravertebrale Hämatome erfassen.


5. Systematische Befundung: Vom Röntgenzeichen zur Diagnose

Die diagnostische Aussage eines Röntgenzeichens ergibt sich aus seinem morphologischen Erscheinungsbild, seiner anatomischen Lokalisation und dem klinischen Kontext. Dabei sollte zwischen direkten Verletzungszeichen, indirekten Hinweisen auf eine verborgene Läsion und charakteristischen, aber nicht spezifischen Mustern unterschieden werden. Ein kortikaler Stufenversatz ist beispielsweise anders zu gewichten als ein Gelenkerguss oder eine diffuse Wirbelkörpersklerose.

Bei traumatischen Veränderungen sind die Vollständigkeit der dargestellten Anatomie, die Qualität der Projektionen und mögliche Begleitverletzungen besonders wichtig. Indirekte Zeichen können Anlass geben, eine zunächst unauffällige Region erneut gezielt zu beurteilen. Umgekehrt darf aus dem Fehlen eines klassischen Zeichens nicht auf das Fehlen der zugrunde liegenden Verletzung geschlossen werden.

Bei chronischen und systemischen Erkrankungen stehen Verteilungsmuster, Begleitbefunde und Verlauf im Vordergrund. Die Entscheidung für eine CT oder MRT sollte sich an einer konkreten diagnostischen Fragestellung orientieren: Soll eine Fraktur charakterisiert, eine Bandverletzung nachgewiesen, die Knochenmarkvitalität beurteilt oder eine entzündliche beziehungsweise neoplastische Veränderung abgeklärt werden? Erst aus dieser Fragestellung ergibt sich der zusätzliche Nutzen der weiterführenden Bildgebung.


6. Fazit

Die klassischen Röntgenzeichen des Bewegungsapparates sind weiterhin wertvolle Hilfsmittel der konventionellen Radiologie. Ihre Bedeutung liegt jedoch weniger in der Kenntnis historischer Bezeichnungen als in der Fähigkeit, subtile morphologische Veränderungen zu erkennen und richtig einzuordnen. Besonders bei okkulten Frakturen, komplexen Knieverletzungen, Osteonekrosen und strukturellen Wirbelsäulenerkrankungen können sie entscheidende diagnostische Hinweise liefern.

Ein belastbarer radiologischer Befund beschreibt zunächst die sichtbare Veränderung und bewertet anschliessend ihre Bedeutung unter Berücksichtigung von Anamnese, klinischer Fragestellung und möglichen Differenzialdiagnosen. So bleibt das klassische Röntgenzeichen ein nützliches diagnostisches Werkzeug, ohne dass seine Aussagekraft überschätzt wird.

Hinweis zu den Abbildungen: Die mit künstlicher Intelligenz erstellten Infografiken dienen der didaktischen Veranschaulichung radiologischer Befunde. Sie können anatomische Vereinfachungen oder Ungenauigkeiten enthalten und ersetzen keine diagnostischen Originalaufnahmen.


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