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Wichtige Röntgenzeichen im Thorax – Erkennen und richtig interpretieren

Moderne radiologische Befundungsstation mit Thoraxröntgenbildern auf zwei Monitoren und aufgeschlagenem radiologischem Fachbuch.

Die Kenntnis wichtiger Röntgenzeichen im Thorax erleichtert die systematische Beurteilung konventioneller Thoraxaufnahmen. Charakteristische Veränderungen der Lungenzeichnung, der Organ- und Gefässkonturen sowie der Pleura helfen, pathologische Befunde frühzeitig zu erkennen und anatomisch zu lokalisieren. Besonders bei diskreten Veränderungen oder technisch eingeschränkten Aufnahmen sind diese Zeichen für die Befundinterpretation hilfreich.

Allerdings ist nicht jedes klassische Röntgenzeichen spezifisch für eine bestimmte Erkrankung. Manche Zeichen beschreiben lediglich eine charakteristische Bildmorphologie, andere weisen auf einen anatomischen oder pathophysiologischen Mechanismus hin. Entscheidend ist deshalb, was auf dem Röntgenbild tatsächlich erkennbar ist, welche diagnostischen Schlussfolgerungen zulässig sind und wann eine weiterführende Untersuchung durch Sonographie oder Computertomographie erforderlich wird.

Inhaltsverzeichnis

Röntgenzeichen bei pulmonalen Verdichtungen und Volumenverlust

Silhouettenzeichen (Silhouette Sign)

Das Silhouettenzeichen beschreibt den Verlust einer normalerweise erkennbaren Grenzfläche zwischen zwei Strukturen vergleichbarer Röntgendichte. In der Thoraxradiographie entstehen viele anatomische Konturen dadurch, dass sich Weichteilgewebe gegenüber der angrenzenden luftgefüllten Lunge abgrenzt. Die rechte Herzkontur ist beispielsweise sichtbar, weil der rechte Mittellappen normalerweise lufthaltig ist. Wird das angrenzende Lungenparenchym durch eine Konsolidierung verdichtet, gleichen sich die Röntgendichten an und die Herzgrenze verschwindet. Entscheidend ist dabei der unmittelbare anatomische Kontakt zwischen der Verdichtung und der betroffenen Struktur.

Für die praktische Befundung ist besonders die Lokalisation der aufgehobenen Kontur wichtig:

  • Rechter Herzrand: Verdichtung im rechten Mittellappen.
  • Linker Herzrand: Verdichtung der Lingula.
  • Rechtes Hemidiaphragma: Verdichtung im rechten Unterlappen.
  • Linkes Hemidiaphragma: Verdichtung im linken Unterlappen.
  • Aortenknopf: Verdichtung im angrenzenden linken Oberlappen.

Die Konturaufhebung ist nicht mit einer bestimmten Erkrankung gleichzusetzen. Pneumonische Konsolidierungen, Atelektasen oder andere raumfordernde beziehungsweise weichteildichte Veränderungen können denselben Effekt verursachen. Umgekehrt kann eine ausgedehnte Verdichtung die Herzsilhouette überlagern, ohne deren Kontur aufzuheben, wenn sie nicht unmittelbar an das Herz angrenzt.

Infografik zum Silhouettenzeichen im Thoraxröntgen mit anatomischer Lokalisation von Verschattungen

Luftbronchogramm (Air Bronchogram)

Ein Luftbronchogramm entsteht, wenn luftgefüllte Bronchien innerhalb eines verdichteten Lungenabschnitts sichtbar werden. Normalerweise lassen sich intrapulmonale Bronchien nicht abgrenzen, da sowohl ihr Lumen als auch das umgebende Lungenparenchym luftgefüllt sind. Bei einer alveolären Konsolidierung nimmt die Röntgendichte des umgebenden Parenchyms zu. Die weiterhin lufthaltigen Bronchien erscheinen dadurch als verzweigte, strahlentransparente Strukturen innerhalb der Verschattung. Sie lassen sich häufig vom Hilus aus in die Peripherie verfolgen und verjüngen sich entsprechend ihrem anatomischen Verlauf.

Das Luftbronchogramm unterstützt die Zuordnung einer Verdichtung zum Lungenparenchym und spricht dafür, dass die dargestellten Bronchien noch luftgefüllt sind. Es findet sich unter anderem bei Pneumonien, alveolärem Lungenödem, pulmonalen Blutungen und bestimmten nichtobstruktiven Atelektasen. Ein Luftbronchogramm beweist jedoch keine Pneumonie, da auch neoplastische Veränderungen mit diesem Zeichen einhergehen können. Ebenso schliesst sein Fehlen eine alveoläre Konsolidierung nicht aus. Bei einer obstruktiven Atelektase ist ein Luftbronchogramm häufig nicht oder nur unvollständig nachweisbar, weil der betroffene Bronchus nicht mehr belüftet wird.

Golden-S-Zeichen (Golden S Sign)

Das Golden-S-Zeichen entsteht klassischerweise bei einer Atelektase des rechten Oberlappens in Verbindung mit einer zentralen Raumforderung. Es beschreibt eine charakteristische S-förmige Veränderung der Begrenzung des kollabierten Lungenlappens. Bei einer Oberlappenatelektase wird der kleine Interlobärspalt durch den Volumenverlust nach kranial verlagert. Sein lateraler Abschnitt bildet dabei eine nach kaudal konkave Begrenzung. Eine zusätzliche zentrale Raumforderung am rechten Hilus kann den medialen Abschnitt des Spalts nach kaudal vorwölben. Durch die Kombination beider Konturveränderungen entsteht die typische umgekehrte S-Form.

Bei der Bildanalyse sollte deshalb nicht allein nach einer S-förmigen Linie gesucht werden. Zunächst sind die Zeichen der Oberlappenatelektase zu erkennen: eine rechts apikale oder parahiläre Verschattung, eine kraniale Hilusverlagerung und eine Verziehung des kleinen Interlobärspalts. Anschliessend wird geprüft, ob dessen medialer Abschnitt durch eine zusätzliche Raumforderung konvex deformiert ist. Das Zeichen ist ein wichtiger Hinweis auf eine zentrale bronchiale Obstruktion. Bei Erwachsenen muss insbesondere ein Bronchialkarzinom ausgeschlossen werden, wobei auch andere zentrale Raumforderungen oder vergrösserte Lymphknoten eine vergleichbare Konfiguration hervorrufen können. Zur Darstellung der Obstruktionsursache ist in der Regel eine kontrastmittelgestützte Thorax-CT erforderlich.

Luftsichelzeichen bei Oberlappenatelektase (Luftsichel Sign)

Das Luftsichelzeichen ist ein charakteristischer Hinweis auf eine Atelektase des linken Oberlappens. Es entsteht durch die kompensatorische Verlagerung und Überblähung des verbliebenen linken Unterlappens. Bei einer ausgeprägten Oberlappenatelektase zieht sich das verdichtete Lungengewebe nach ventral und kranial zusammen. Der obere Anteil des linken Unterlappens kann sich dadurch zwischen den Aortenbogen und den kollabierten Oberlappen schieben. In der Frontalaufnahme entsteht eine schmale, sichelförmige strahlentransparente Zone entlang der lateralen Kontur des Aortenbogens, die dem weiterhin belüfteten Lungengewebe des nach kranial verlagerten Unterlappens entspricht.

Bei der Befundung ist besonders auf die Kombination aus linksseitiger oberer oder parahilärer Verschattung, Zeichen des Volumenverlusts und der sichelförmigen Aufhellung neben dem Aortenbogen zu achten. Das Zeichen ist nicht bei jeder Oberlappenatelektase vorhanden. Bei einer neu aufgetretenen linksseitigen Oberlappenatelektase muss die Ursache einer möglichen Bronchusobstruktion abgeklärt werden. Insbesondere bei Erwachsenen ist eine zentrale Raumforderung differenzialdiagnostisch zu berücksichtigen.


Röntgenzeichen bei Pleuraerkrankungen

Meniskuszeichen (Meniscus Sign)

Das Meniskuszeichen beschreibt die charakteristische bogenförmige obere Begrenzung eines frei auslaufenden Pleuraergusses bei aufrechter Körperhaltung. Die Flüssigkeit sammelt sich zunächst in den basalen Pleuraabschnitten und steigt entlang der lateralen Thoraxwand an. Im Röntgenbild zeigt sich eine homogene basale Verschattung mit Verstrichensein des kostophrenischen Winkels. Die obere Begrenzung erscheint typischerweise seitlich höher als medial.

Die Beurteilung hängt wesentlich von der Patientenlagerung ab. In Rückenlage verteilt sich die Flüssigkeit bevorzugt in den dorsalen Pleuraabschnitten. Ein typischer Meniskus kann dann fehlen; stattdessen entsteht eine diffuse Transparenzminderung des betroffenen Hemithorax. Ein horizontaler Luft-Flüssigkeits-Spiegel spricht dagegen für eine andere Flüssigkeitsverteilung, beispielsweise bei einem Hydropneumothorax. Auch abgekapselte Pleuraergüsse können atypische, teilweise raumfordernd wirkende Konturen ausbilden. Die Thoraxsonographie ermöglicht den Nachweis auch kleiner Flüssigkeitsmengen und die Beurteilung ihrer Verteilung. Sie ist insbesondere bei unklaren Ergüssen und vor pleuralen Interventionen von Bedeutung.

Deep-Sulcus-Zeichen (Deep Sulcus Sign)

Das Deep-Sulcus-Zeichen ist ein wichtiger Hinweis auf einen Pneumothorax bei Thoraxaufnahmen in Rückenlage. In dieser Position verteilt sich freie Luft im Pleuraspalt anders als bei aufrecht stehenden Patienten. Während ein Pneumothorax in aufrechter Position häufig durch eine apikale viszerale Pleuralinie mit fehlender peripherer Lungenzeichnung erkennbar ist, sammelt sich die Luft in Rückenlage bevorzugt in den nicht abhängigen ventralen und basalen Pleuraabschnitten. Dadurch kann der laterale kostophrenische Winkel ungewöhnlich tief und auffallend strahlentransparent erscheinen. Die normalerweise abgerundete basale Kontur wirkt verlängert und nach kaudal ausgezogen.

Das Zeichen ist besonders bei mobilen Thoraxaufnahmen intensivmedizinischer Patienten relevant. Ein Pneumothorax kann hier trotz fehlender apikaler Pleuralinie vorliegen. Die Beurteilung sollte zusätzlich die lateralen Thoraxabschnitte, die Zwerchfellkonturen und mögliche asymmetrische Transparenzunterschiede einschliessen. Ein tief erscheinender kostophrenischer Winkel allein ist nicht beweisend. Überblähung, anatomische Varianten und technische Projektionsbedingungen können die Beurteilung erschweren. Bei klinisch relevantem Verdacht kann eine gezielte Lungensonographie zur weiteren Abklärung beitragen.

Durchgehendes Zwerchfellzeichen (Continuous Diaphragm Sign)

Normalerweise ist die Zwerchfellkontur in der Frontalaufnahme unterhalb des Herzens nicht durchgehend sichtbar. Herz und Zwerchfell besitzen eine ähnliche Röntgendichte und liegen unmittelbar aneinander. Gelangen Luftansammlungen zwischen Herz und Zwerchfell, entsteht eine neue Grenzfläche. Dadurch kann die Zwerchfellkontur auch im zentralen Abschnitt unterhalb der Herzsilhouette sichtbar werden. Dieses Erscheinungsbild wird als durchgehendes Zwerchfellzeichen bezeichnet und kann bei einem Pneumomediastinum oder Pneumoperikard auftreten.

Zur weiteren Einordnung ist die Verteilung der extrapulmonalen Luft entscheidend. Bei einem Pneumomediastinum können sich zusätzliche lineare Aufhellungen entlang mediastinaler Strukturen zeigen. Beim Pneumoperikard bleibt die Luft typischerweise auf den Bereich des Perikards begrenzt. Das Zeichen erlaubt keine sichere ätiologische Zuordnung. Bei unklarer oder klinisch relevanter extrapulmonaler Luft ist die CT wesentlich empfindlicher und ermöglicht die genauere anatomische Lokalisation.


Röntgenzeichen bei pulmonalen Gefässveränderungen

Hampton-Höcker (Hampton Hump)

Der Hampton-Höcker bezeichnet eine periphere, pleuraständige pulmonale Verdichtung, die klassischerweise keilförmig erscheint. Die breite Basis liegt an der Pleura, während die Spitze in Richtung Hilus weist. Die zur Lunge gerichtete Kontur kann auch konvex gerundet sein. Das Zeichen wird traditionell mit einem hämorrhagischen Lungeninfarkt bei pulmonaler Embolie in Verbindung gebracht. Durch die Unterbrechung beziehungsweise erhebliche Verminderung der regionalen Durchblutung kann es zu einer hämorrhagischen Infarzierung des Lungenparenchyms kommen.

Im Röntgenbild lässt sich allerdings nur die periphere Verdichtung erkennen, nicht die zugrunde liegende Gefässobstruktion. Auch Pneumonien, pulmonale Blutungen und andere pleuraständige Konsolidierungen können eine ähnliche Morphologie aufweisen. Der Hampton-Höcker ist deshalb weder ausreichend sensitiv noch spezifisch, um eine Lungenembolie zu diagnostizieren oder auszuschliessen. Seine Bedeutung liegt vor allem darin, bei passender klinischer Konstellation an einen möglichen Lungeninfarkt zu denken.

Westermark-Zeichen (Westermark Sign)

Das Westermark-Zeichen beschreibt eine regionale Verminderung der pulmonalen Gefässzeichnung, die bei einer relevanten Obstruktion einer Pulmonalarterie auftreten kann. Normalerweise lassen sich die pulmonalen Gefässe vom Hilus in die Peripherie verfolgen, wobei ihr Kaliber kontinuierlich abnimmt. Bei einer ausgeprägten regionalen Minderperfusion können distal der betroffenen Gefässregion weniger Gefässschatten erkennbar sein. Im Röntgenbild erscheint der betreffende Lungenabschnitt dadurch vergleichsweise strahlentransparent. Gelegentlich besteht gleichzeitig eine Erweiterung zentraler pulmonalarterieller Gefässabschnitte.

Die Interpretation ist schwierig, da auch Emphysem, regionale Überblähung, Atemwegsobstruktion und technische Unterschiede der Belichtung eine verminderte Gefässzeichnung vortäuschen können. Das Westermark-Zeichen ist selten und für sich allein diagnostisch nicht ausreichend zuverlässig.

Für beide klassischen Emboliezeichen gilt: Die konventionelle Thoraxaufnahme dient bei Verdacht auf Lungenembolie vor allem der Beurteilung alternativer Ursachen thorakaler Beschwerden und möglicher Begleitveränderungen. Die spezifische Emboliediagnostik richtet sich nach der klinischen Wahrscheinlichkeit und den etablierten diagnostischen Algorithmen, gegebenenfalls mit CT-Pulmonalisangiographie.


Röntgenzeichen an Herz und Mediastinum

Bocksbeutelzeichen (Water Bottle Sign)

Das Bocksbeutelzeichen beschreibt eine auffallend verbreiterte, glatt begrenzte und häufig symmetrisch gerundete Herzsilhouette. Die Form erinnert an einen Bocksbeutel beziehungsweise eine Wasserflasche und kann bei einem ausgeprägten Perikarderguss auftreten. Normalerweise wird die Herzsilhouette durch die Konturen der einzelnen Herzhöhlen und der grossen Gefässe geprägt. Bei einer grösseren Flüssigkeitsansammlung im Perikard kann sich die äussere Kontur zunehmend abrunden. Die Herztaille erscheint weniger ausgeprägt, und die Silhouette nimmt eine breite, teilweise flaschenförmige Gestalt an.

Das Zeichen ist vor allem bei grösseren, langsam entstandenen Perikardergüssen zu beobachten. Kleinere oder akut entstandene Ergüsse können dagegen ohne erkennbare Vergrösserung der Herzsilhouette vorliegen. Bei der Bildanalyse muss zunächst die Aufnahmetechnik berücksichtigt werden. Eine anteroposteriore Aufnahme, insbesondere in Rückenlage, kann das Herz projektionsbedingt erheblich vergrössert darstellen. Auch eine tatsächliche Kardiomegalie mit Dilatation der Herzhöhlen kann eine vergleichbare Konfiguration hervorrufen. Aus der Form der Herzsilhouette allein lässt sich ein Perikarderguss nicht zuverlässig diagnostizieren. Ebenso wenig erlaubt die Röntgenaufnahme eine Beurteilung der hämodynamischen Relevanz oder den Ausschluss einer Perikardtamponade.

Bei Verdacht auf einen Perikarderguss ist die transthorakale Echokardiographie das diagnostische Verfahren der ersten Wahl. Sie ermöglicht den direkten Nachweis der Flüssigkeit, die Abschätzung ihrer Ausdehnung und die Beurteilung möglicher hämodynamischer Auswirkungen.

Bocksbeutelzeichen bei Perikarderguss: Infografik mit Vergleich einer normalen und einer verbreiterten, flaschenförmigen Herzsilhouette im Thoraxröntgen.

Hilus-Überlagerungszeichen (Hilum Overlay Sign)

Das Hilus-Überlagerungszeichen dient der anatomischen Zuordnung einer Verschattung in der Hilusregion. Es hilft zu unterscheiden, ob eine Raumforderung tatsächlich vom Hilus ausgeht oder lediglich in der Frontalprojektion über diesem liegt. Die normale Hiluszeichnung wird überwiegend durch die pulmonalen Gefässe gebildet. Sind diese Gefässe innerhalb einer projizierten Verschattung weiterhin erkennbar, spricht dies dafür, dass die Raumforderung vor oder hinter dem Hilus liegt und die Gefässe nicht selbst ersetzt oder unmittelbar umgeben werden.

Bei der Befundung wird deshalb geprüft, ob sich die normalen hilären Gefässkonturen durch die Verschattung hindurch verfolgen lassen. Bleiben sie sichtbar, liegt ein positives Hilus-Überlagerungszeichen vor. Das Zeichen unterstützt die anatomische Lokalisation, erlaubt jedoch keine sichere Bestimmung des Ursprungs oder der Dignität einer Raumforderung. Bei unklaren mediastinalen beziehungsweise hilären Verschattungen ist die CT zur weiteren Charakterisierung erforderlich.

Hilus-Konvergenzzeichen (Hilum Convergence Sign)

Das Hilus-Konvergenzzeichen hilft bei der Unterscheidung zwischen einer Vergrösserung der pulmonalen Gefässe und einer eigenständigen hilären Raumforderung. Normalerweise vereinigen sich die pulmonalen Gefässschatten in Richtung des Hilus zu grösseren Gefässstrukturen. Bei einer Erweiterung der zentralen Pulmonalarterien lassen sich die peripheren Gefässe häufig kontinuierlich in die verbreiterte Hiluskontur verfolgen.

Konvergieren die Gefässe in die hiläre Verschattung, spricht dies für einen vaskulären Ursprung der Konturverbreiterung. Bei einer nicht vaskulären Raumforderung können die Gefässe dagegen verlagert, überlagert oder von der Raumforderung getrennt erscheinen. Das Zeichen ist besonders bei der Beurteilung einer prominenten Hiluszeichnung hilfreich. Es ersetzt jedoch keine weiterführende Bildgebung, wenn eine zentrale Raumforderung oder Lymphadenopathie nicht zuverlässig ausgeschlossen werden kann.

Zervikothorakales Zeichen (Cervicothoracic Sign)

Das zervikothorakale Zeichen dient der Lokalisation von Raumforderungen im oberen Mediastinum. Grundlage ist die unterschiedliche Beziehung des vorderen und hinteren Mediastinums zur luftgefüllten Lungenspitze. Das vordere Mediastinum geht nach kranial in die Halsweichteile über. Eine vordere mediastinale Raumforderung verliert deshalb oberhalb der Klavikula häufig ihre scharfe seitliche Begrenzung, da dort keine luftgefüllte Lunge mehr unmittelbar angrenzt.

Eine Raumforderung im hinteren oberen Mediastinum kann dagegen auch oberhalb der Klavikula scharf begrenzt bleiben, weil sie weiterhin von luftgefülltem Lungengewebe begrenzt wird. Bei der Bildanalyse ist deshalb darauf zu achten, ob sich die kraniale Kontur einer mediastinalen Verschattung oberhalb der Klavikula weiterverfolgen lässt oder dort unscharf wird. Das Zeichen liefert einen anatomischen Lokalisationshinweis, jedoch keine Aussage über die Art oder Dignität der Raumforderung. Bei unklarer mediastinaler Raumforderung ermöglicht die CT eine wesentlich genauere Zuordnung.


Röntgenzeichen bei kavitären Lungenveränderungen

Luftsichelzeichen bei intrakavitären Raumforderungen (Air Crescent Sign)

Das Air-Crescent-Zeichen beschreibt eine sichelförmige Luftansammlung zwischen einer intrakavitären Weichteilstruktur und der Wand einer pulmonalen Höhle. Ein klassisches Beispiel ist ein Aspergillom innerhalb einer vorbestehenden Lungenkaverne. Die Pilzmasse liegt häufig im abhängigen Abschnitt der Höhle, während sich zwischen ihrer Oberfläche und der Kavernenwand ein sichelförmiger Luftraum abgrenzt. Im Röntgenbild zeigt sich eine rundliche oder unregelmässige intrakavitäre Verschattung, die teilweise von einem strahlentransparenten Saum umgeben ist. Bei einem frei beweglichen Aspergillom kann sich die Lage der intrakavitären Masse mit der Patientenposition verändern.

Eine entsprechende Morphologie ist jedoch nicht spezifisch für ein Aspergillom. Auch Blutkoagel, nekrotisches Gewebe und andere intrakavitäre Läsionen können ein ähnliches Erscheinungsbild verursachen. Der Begriff Air-Crescent-Zeichen wird zudem in einem anderen klinischen Zusammenhang bei bestimmten Formen invasiver pulmonaler Aspergillose verwendet. Für die weitere Einordnung sind insbesondere die Beschaffenheit der Kavernenwand, mögliche Voraufnahmen, die klinische Konstellation und gegebenenfalls eine Thorax-CT relevant.

Dieses Zeichen ist vom Luftsichelzeichen der linksseitigen Oberlappenatelektase zu unterscheiden. Dort entsteht die sichelförmige Aufhellung durch verlagertes, belüftetes Lungengewebe neben dem Aortenbogen und nicht durch Luft innerhalb einer Kaverne.


Praktische Bedeutung für die Befundung

Die diagnostische Bedeutung eines Röntgenzeichens ergibt sich nicht allein aus seiner charakteristischen Form. Entscheidend ist die Kombination aus anatomischer Lokalisation, weiteren morphologischen Befunden und der klinischen Fragestellung. Bei der systematischen Thoraxbefundung empfiehlt sich deshalb folgende Vorgehensweise:

  • Aufnahmetechnik beurteilen: Projektion, Körperhaltung, Inspiration, Rotation und Belichtung berücksichtigen. Insbesondere Herzgrösse, Pleuraergüsse und Pneumothoraces können je nach Technik unterschiedlich erscheinen.
  • Morphologischen Befund beschreiben: Lage, Ausdehnung, Dichte, Konturen und mögliche Zeichen eines Volumenverlusts oder einer Raumforderung erfassen.
  • Röntgenzeichen anatomisch erklären: Prüfen, welche Grenzfläche verschwindet, welche Struktur verlagert wird oder wodurch eine ungewöhnliche Transparenz entsteht.
  • Diagnostische Aussagekraft einordnen: Zwischen charakteristischen, unterstützenden und unspezifischen Zeichen unterscheiden.
  • Weitere Diagnostik gezielt auswählen: Sonographie oder CT einsetzen, wenn die konventionelle Aufnahme die klinisch relevante Fragestellung nicht ausreichend beantwortet.

Ein Silhouettenzeichen kann beispielsweise die Lokalisation einer pulmonalen Verdichtung wesentlich erleichtern, ohne deren Ursache zu klären. Ein Golden-S-Zeichen weist dagegen auf eine potenziell relevante zentrale Raumforderung hin und hat damit unmittelbare Konsequenzen für die weitere Diagnostik. Ein Bocksbeutelzeichen begründet den Verdacht auf einen grösseren Perikarderguss, dessen Nachweis und hämodynamische Beurteilung jedoch echokardiographisch erfolgen müssen. In der radiologischen Befundformulierung sollte daher zunächst die beobachtete Morphologie beschrieben werden. Die diagnostische Einordnung folgt unter Berücksichtigung der Aussagekraft des jeweiligen Zeichens. Ein klassischer Zeichenname kann ergänzend verwendet werden, sollte die nachvollziehbare Beschreibung des Befundes aber nicht ersetzen.


Fazit

Wichtige Röntgenzeichen im Thorax erleichtern die Erkennung, Lokalisation und Interpretation pathologischer Veränderungen. Ihr grösster Nutzen liegt im Verständnis der zugrunde liegenden Anatomie und der projektionsradiographischen Entstehung des jeweiligen Befundes. Während einige Zeichen eine zuverlässige anatomische Zuordnung ermöglichen, sind andere lediglich unspezifische Hinweise auf mögliche Erkrankungen. Die konventionelle Thoraxradiographie bleibt damit ein wertvoller Bestandteil der initialen Diagnostik, muss aber dort durch Sonographie oder Schnittbildgebung ergänzt werden, wo ihre Aussagekraft für die klinische Entscheidung nicht ausreicht.


Hinweis zu den Abbildungen: Die mit künstlicher Intelligenz erstellten Infografiken dienen der didaktischen Veranschaulichung radiologischer Befunde. Sie können anatomische Vereinfachungen oder Ungenauigkeiten enthalten und ersetzen keine diagnostischen Originalaufnahmen.


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