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Atypische Pneumonie im Thoraxröntgen – Bildmuster erkennen und richtig interpretieren

Drei Thoraxröntgenaufnahmen mit unterschiedlichen pneumonischen Verschattungsmustern: retikulonoduläre Veränderungen, multifokale Infiltrate und lobäre Konsolidation.

Die atypische Pneumonie ist ein klinisch und radiologisch relevantes Krankheitsbild, dessen traditionelle Einteilung zunehmend kritisch betrachtet wird. Der Begriff bezeichnet primär Pneumonien durch bestimmte bakterielle Erreger, insbesondere Mycoplasma pneumoniae, Chlamydia pneumoniae und Legionella pneumophila. Historisch wurden auch virale Pneumonien einbezogen. Ein eigenständiges, pathognomonisches Röntgenmuster existiert jedoch nicht. Retikulonoduläre Opazitäten, peribronchiale Veränderungen, multifokale alveoläre Verdichtungen und lobäre Konsolidierungen können sich überschneiden. Die häufig verwendete Gegenüberstellung von „typischer“ und „atypischer“ Pneumonie ist deshalb radiologisch nur eingeschränkt belastbar.

Für die konventionelle Radiologie steht die morphologische Charakterisierung der pulmonalen Veränderungen im Vordergrund: Welche Opazitäten sind nachweisbar, wie verteilen sie sich, welche Begleitbefunde bestehen und welche Differenzialdiagnosen müssen berücksichtigt werden? Das Thoraxröntgen ist bei entsprechender klinischer Indikation eine wichtige initiale Bildgebung, insbesondere bei hospitalisierten Patienten mit Verdacht auf eine ambulant erworbene Pneumonie (community-acquired pneumonia, CAP). Die Computertomographie (CT) bleibt speziellen Fragestellungen vorbehalten. Dieser Beitrag erläutert die radiologischen Erscheinungsformen atypischer Pneumonien, die Grenzen ihrer ätiologischen Zuordnung und die Konsequenzen für eine strukturierte Befundung.

Inhaltsverzeichnis

Definition und klinische Einordnung

Der Begriff „atypische Pneumonie“ entstand in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur Beschreibung von Pneumonien, die sich hinsichtlich Symptomatik, klinischem Verlauf und radiologischer Manifestation von der klassischen lobären Pneumokokkenpneumonie unterschieden. Mit der Identifikation der verantwortlichen Erreger verlagerte sich die Bedeutung zunehmend von einer klinisch-radiologischen Beschreibung zu einer mikrobiologischen Kategorie.

Zu den klassischen atypischen bakteriellen Pneumonieerregern zählen:

  • Mycoplasma pneumoniae
  • Chlamydia pneumoniae
  • Legionella pneumophila und weitere Legionella-Spezies
  • Chlamydia psittaci
  • Coxiella burnetii

Virale Pneumonien durch Influenza-, RS-, Adeno- oder Coronaviren werden in älteren Klassifikationen häufig ebenfalls den atypischen Pneumonien zugeordnet. Im aktuellen klinischen Sprachgebrauch ist eine Trennung zwischen atypischen bakteriellen und viralen Pneumonien zweckmässiger.

Die Erreger unterscheiden sich hinsichtlich Epidemiologie, Pathogenese und klinischem Verlauf erheblich. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass ihre radiologischen Manifestationen nicht zuverlässig anhand eines einzelnen Verschattungsmusters identifiziert werden können.

Die ätiologische Diagnostik stützt sich daher auf klinische, epidemiologische und mikrobiologische Informationen. Die Bildgebung liefert morphologische Befunde, aber in der Regel keinen spezifischen Erregernachweis.


Stellenwert der konventionellen Radiologie

Das konventionelle Thoraxröntgen dient bei entsprechender Indikation dem Nachweis pulmonaler Opazitäten, der Beurteilung ihrer Ausdehnung und der Erfassung möglicher Begleitbefunde. Bei hospitalisierten Patienten mit Verdacht auf eine CAP gehört die Thoraxaufnahme zur etablierten initialen Diagnostik. Bei unkomplizierten ambulanten Atemwegsinfektionen ist eine radiologische Untersuchung dagegen nicht grundsätzlich erforderlich.

Die Aussagekraft des Thoraxröntgens wird durch die Projektionsradiographie begrenzt. Insbesondere diskrete Milchglasopazitäten (ground-glass opacities, GGO), kleine zentrilobuläre Noduli und subtile peribronchioläre Veränderungen können durch die Summation anatomischer Strukturen verborgen bleiben.

Bei der Befundung sollten folgende Fragen im Vordergrund stehen:

  • Liegt eine neu aufgetretene pulmonale Opazität vor?
  • Handelt es sich überwiegend um ein retikuläres, retikulonoduläres oder alveoläres Muster?
  • Besteht eine fokale, segmentale, lobäre, multifokale oder diffuse Verteilung?
  • Sind Pleuraergüsse, Atelektasen, Kavitationen oder Zeichen einer pulmonalvenösen Stauung nachweisbar?
  • Bestehen Voraufnahmen, die eine zeitliche Einordnung ermöglichen?

Die Beschreibung dieser Merkmale ist diagnostisch belastbarer als die unmittelbare Zuordnung zu einer vermeintlich typischen oder atypischen Erregergruppe.


Radiologische Bildmuster atypischer Pneumonien

Retikuläre und retikulonoduläre Opazitäten

Retikuläre Opazitäten manifestieren sich im Thoraxröntgen als vermehrte lineare, netzförmig angeordnete Verschattungen. Bei zusätzlicher kleinnodulärer Komponente entsteht ein retikulonoduläres Muster. Die Veränderungen können regional begrenzt, multifokal oder bilateral auftreten.

Der häufig verwendete Begriff „interstitielles Infiltrat“ ist dabei nur bedingt präzise. Die projektionsradiographische Darstellung erlaubt keine zuverlässige Unterscheidung zwischen einer tatsächlichen interstitiellen Beteiligung, peribronchialen Veränderungen und diskreten alveolären Opazitäten. Auch eine Kombination dieser Veränderungen ist möglich.

Retikulonoduläre Opazitäten sind nicht spezifisch für atypische Pneumonien. Sie können ebenso bei viralen Infektionen, chronischen interstitiellen Lungenerkrankungen, pulmonalvenöser Stauung oder anderen entzündlichen Prozessen auftreten.

Peribronchiale Wandverdickungen und peribronchial cuffing

Eine entzündliche Beteiligung der Bronchialwände kann im konventionellen Röntgen als peribronchiale Zeichnungsvermehrung sichtbar werden. Werden Bronchien im Querschnitt dargestellt, können ringförmige Verschattungen entstehen, die als peribronchial cuffing bezeichnet werden. Längs getroffene verdickte Bronchialwände können parallel verlaufende lineare Opazitäten verursachen.

Diese Veränderungen sind unter anderem bei Mykoplasmeninfektionen und viralen Atemwegsinfektionen beschrieben. Sie sind jedoch nicht erregerspezifisch und können auch bei Bronchitis, Asthma bronchiale oder interstitiellem Lungenödem auftreten.

Das peribronchial cuffing ist von unspezifischen peribronchialen alveolären Verdichtungen zu unterscheiden. Letztere können Ausdruck einer begleitenden Bronchopneumonie sein, ohne dass eine klar erkennbare Bronchialwandverdickung vorliegt.

Fleckige und multifokale alveoläre Opazitäten

Multifokale, unscharf begrenzte alveoläre Opazitäten gehören zu den häufig beschriebenen Erscheinungsformen atypischer und viraler Pneumonien. Die Veränderungen können zunächst kleinflächig auftreten und im weiteren Verlauf konfluieren.

Im Röntgenbild zeigen sich regionale oder multilobäre Verdichtungen, die nicht zwingend anatomischen Segment- oder Lobärgrenzen folgen. Bei ausgeprägter alveolärer Beteiligung können Luftbronchogramme sichtbar werden.

Eine fleckige Verteilung ist jedoch kein spezifisches Merkmal atypischer Erreger. Bakterielle Bronchopneumonien können ein praktisch identisches Muster verursachen.

Segmentale und lobäre Konsolidierungen

Eine lobäre Konsolidierung wird traditionell mit einer Pneumonie durch typische bakterielle Erreger, insbesondere Streptococcus pneumoniae, assoziiert. Diese Zuordnung ist radiologisch jedoch nicht zuverlässig.

Legionellenpneumonien können ausgeprägte segmentale oder lobäre Konsolidierungen verursachen. Auch bei Infektionen durch Mycoplasma pneumoniae sind alveoläre Verdichtungen bis hin zu lobären Konsolidierungen möglich.

Das Vorliegen einer lobären Konsolidierung schliesst eine atypische bakterielle Pneumonie deshalb nicht aus. Ebenso erlaubt eine retikulonoduläre Zeichnungsvermehrung keine sichere Abgrenzung gegenüber einer Pneumonie durch klassische bakterielle Erreger.

Bilaterale und diffuse Veränderungen

Bilaterale pulmonale Opazitäten können bei atypischen bakteriellen und viralen Pneumonien auftreten. Die Verteilung reicht von diskreten retikulären Veränderungen bis zu ausgedehnten multifokalen Konsolidierungen.

Bei schwerem Verlauf können diffuse alveoläre Opazitäten entstehen, insbesondere im Rahmen einer akuten diffusen Lungenschädigung bis hin zum Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS).

Eine bilaterale Verteilung besitzt jedoch keine ausreichende ätiologische Spezifität. Insbesondere das kardiale Lungenödem, nichtkardiogene Ödemformen und organisierende Pneumonien sind differenzialdiagnostisch zu berücksichtigen.

Pleurale und weitere Begleitbefunde

Kleine parapneumonische Pleuraergüsse sind bei verschiedenen Pneumonieformen möglich. Bei Legionellenpneumonien können pleurale Begleitveränderungen auftreten. Grössere oder gekammerte Ergüsse erfordern die Abklärung einer komplizierten parapneumonischen Ergussbildung beziehungsweise eines Pleuraempyems.

Zusätzlich können subsegmentale Atelektasen und regionale Volumenminderungen auftreten. Kavitationen sind bei den klassischen atypischen Pneumonieerregern nicht das führende Bildmerkmal. Bei entsprechenden Befunden müssen insbesondere nekrotisierende bakterielle Infektionen, Tuberkulose und weitere Ursachen erwogen werden.


Erregerspezifische Besonderheiten und Grenzen

Mycoplasma pneumoniae

Mycoplasma pneumoniae ist ein relevanter Erreger ambulant erworbener Pneumonien, insbesondere bei Kindern, Jugendlichen und jüngeren Erwachsenen. Klinisch können ein protrahierter Husten und extrapulmonale Manifestationen auftreten.

Im Thoraxröntgen finden sich unterschiedliche Muster: peribronchiale Wandverdickungen, retikulonoduläre Opazitäten, fleckige alveoläre Verdichtungen sowie segmentale oder lobäre Konsolidierungen. Die Veränderungen können unilateral oder bilateral verteilt sein.

Im CT sind Bronchialwandverdickungen, zentrilobuläre Noduli, Tree-in-bud-Veränderungen, Milchglasopazitäten und Konsolidierungen beschrieben. Eine ausgeprägte bronchioläre Beteiligung kann auf eine infektiöse Erkrankung der kleinen Atemwege hinweisen, ist jedoch nicht spezifisch für Mycoplasma pneumoniae.

Eine sichere radiologische Differenzierung gegenüber anderen Pneumonieerregern ist nicht möglich.

Chlamydia pneumoniae

Pneumonien durch Chlamydia pneumoniae können diskrete retikulonoduläre Veränderungen, fleckige alveoläre Opazitäten oder segmentale Konsolidierungen verursachen. Weder die Lokalisation noch die Verteilung der Verschattungen erlaubt eine spezifische Erregerzuordnung.

Die Bildgebung dient dem Nachweis der pulmonalen Beteiligung und der Erfassung des Ausmasses. Die ätiologische Diagnostik erfolgt bei entsprechender klinischer Indikation mikrobiologisch.

Legionella pneumophila

Die Legionellenpneumonie ist eine potenziell schwere Form der CAP. Radiologisch können zunächst fokale oder segmentale alveoläre Opazitäten auftreten, die sich innerhalb kurzer Zeit zu ausgedehnten lobären oder multilobären Konsolidierungen entwickeln.

Eine bilaterale Beteiligung ist möglich. Pleuraergüsse können den Befund begleiten. Die radiologische Progression kann der klinischen Entwicklung zeitlich nachlaufen, sodass eine zunehmende Konsolidierung nicht zwangsläufig einem fehlenden Therapieansprechen entspricht.

Gerade bei Legionellen ist die traditionelle Gegenüberstellung von typischer und atypischer Pneumonie problematisch: Die dichten alveolären Konsolidierungen können morphologisch einer klassischen Pneumokokkenpneumonie entsprechen.

Die Verdachtsdiagnose ergibt sich daher vor allem aus der klinischen Konstellation, epidemiologischen Hinweisen und gezielter mikrobiologischer Diagnostik.

Chlamydia psittaci und Coxiella burnetii

Die Psittakose durch Chlamydia psittaci und das Q-Fieber durch Coxiella burnetii sind seltenere Ursachen einer atypischen bakteriellen Pneumonie. Beide können fokale, segmentale oder multifokale pulmonale Opazitäten verursachen.

Pathognomonische radiologische Zeichen existieren nicht. Entscheidend für die ätiologische Einordnung sind epidemiologische Informationen, insbesondere Vogelkontakt bei Psittakose beziehungsweise Kontakt zu Nutztieren und entsprechenden Expositionsquellen beim Q-Fieber.

Virale Pneumonien

Virale Pneumonien durch Influenza-, RS-, Adeno- oder SARS-CoV-2-Viren können retikuläre, peribronchiale, multifokale alveoläre oder diffuse bilaterale Opazitäten verursachen. Im frühen Stadium kann das konventionelle Thoraxröntgen unauffällig sein.

Im CT werden je nach Erreger und Erkrankungsphase Milchglasopazitäten, Konsolidierungen, peribronchiale Veränderungen und teilweise ein Crazy-paving-Muster beschrieben.

Die radiologischen Muster überschneiden sich erheblich. Auch eine CT erlaubt in der Regel keine zuverlässige Identifikation des verantwortlichen Virus. Die virologische Diagnostik bleibt bei entsprechender Indikation erforderlich.


Typische versus atypische Pneumonie: eine kritische Gegenüberstellung

Die traditionelle Differenzierung zwischen typischer und atypischer Pneumonie basiert auf historischen klinischen und radiologischen Beobachtungen. Für die moderne Befundung ist sie nur als grobe Orientierung geeignet.

Radiologisches Muster Traditionelle Zuordnung Diagnostische Einschränkung
Lobäre Konsolidierung Typische bakterielle Pneumonie Auch bei Legionellen und Mykoplasmen möglich
Retikulonoduläre Opazitäten Atypische Pneumonie Unspezifisch; auch bei nichtinfektiösen Erkrankungen
Peribronchial cuffing Atypische oder virale Infektion Auch bei nichtinfektiösen Bronchialwandveränderungen und interstitiellem Ödem
Multifokale alveoläre Opazitäten Atypische oder virale Pneumonie Auch bei bakterieller Bronchopneumonie
Bilaterale diffuse Verschattungen Virale oder atypische Pneumonie Auch bei kardialem und nichtkardialem Lungenödem sowie ARDS

Die Bildmorphologie sollte daher zunächst unabhängig von einer ätiologischen Hypothese beschrieben werden. Erst anschliessend erfolgt die klinisch-radiologische Einordnung unter Berücksichtigung von Symptomatik, Entzündungsparametern, epidemiologischen Informationen und mikrobiologischen Ergebnissen.


Systematische Bildanalyse

Technische Qualität und Projektion

Vor der eigentlichen Befundung sind Projektionsrichtung, Inspirationsgrad, Rotation und mögliche Bewegungsartefakte zu beurteilen. Bei a.p.-Bettaufnahmen können eine unzureichende Inspiration und die veränderte Projektionsgeometrie insbesondere basale Opazitäten vortäuschen oder deren Beurteilung erschweren.

Morphologische Charakterisierung

Die sichtbaren Veränderungen sollten möglichst präzise als retikuläre, retikulonoduläre, peribronchiale oder alveoläre Opazitäten beschrieben werden. Bei alveolären Konsolidierungen ist auf Luftbronchogramme und mögliche Silhouettenzeichen zu achten.

Der unspezifische Begriff „Infiltrat“ kann im klinischen Kontext verwendet werden, sollte aber eine präzise morphologische Beschreibung nicht ersetzen.

Verteilung und Ausdehnung

Die Lokalisation erfolgt nach Seite, Lungenabschnitt und gegebenenfalls Lappen. Eine fokale, multifokale oder diffuse Verteilung ist ebenso zu dokumentieren wie eine zentrale, periphere, apikale oder basale Betonung.

Bei multilobären Veränderungen ist eine mögliche Konfluenz der Opazitäten zu berücksichtigen.

Begleitbefunde

Zu beurteilen sind Pleuraergüsse, Atelektasen, Hinweise auf Kavitationen, die Herzsilhouette und Zeichen einer pulmonalvenösen Stauung. Diese Begleitbefunde können die Differenzialdiagnose wesentlich beeinflussen.

Vergleich mit Voraufnahmen

Voraufnahmen ermöglichen die Unterscheidung neu aufgetretener Veränderungen von chronisch bestehenden Befunden. Insbesondere bei retikulonodulären Opazitäten kann der zeitliche Verlauf für die Abgrenzung gegenüber einer chronischen interstitiellen Lungenerkrankung entscheidend sein.


Pneumonieverdacht bei unauffälligem Thoraxröntgen

Ein unauffälliges Thoraxröntgen schliesst eine Pneumonie nicht sicher aus. Im frühen Erkrankungsstadium oder bei diskreten pulmonalen Veränderungen können radiologisch erkennbare Opazitäten fehlen. Auch eine eingeschränkte Bildqualität und anatomische Überlagerungen reduzieren die Sensitivität.

Bei immunsupprimierten Patienten kann die radiologische Manifestation trotz klinisch relevanter Infektion gering ausgeprägt sein. Zudem müssen opportunistische Erreger berücksichtigt werden, deren Bildmuster sich von denen klassischer ambulant erworbener Pneumonien unterscheiden können.

Die Entscheidung über eine weiterführende CT richtet sich nach der klinischen Wahrscheinlichkeit, dem Schweregrad, dem Immunstatus und der Frage, ob das Untersuchungsergebnis therapeutische Konsequenzen erwarten lässt.

Eine routinemässige CT bei jedem unauffälligen Thoraxröntgen und fortbestehendem respiratorischem Infekt ist nicht gerechtfertigt.


Indikationen zur Computertomographie

Die CT besitzt eine höhere Sensitivität für diskrete parenchymatöse und bronchioläre Veränderungen. Sie ist jedoch keine Routinediagnostik der unkomplizierten CAP.

Eine CT kann insbesondere indiziert sein bei:

  • hohem klinischem Pneumonieverdacht trotz unauffälligem oder nicht eindeutigem Thoraxröntgen, sofern das Ergebnis die weitere Behandlung beeinflusst;
  • schwerem oder atypischem klinischem Verlauf mit diagnostischer Unsicherheit;
  • Immunsuppression und Verdacht auf eine pulmonale Infektion;
  • fehlender klinischer Besserung beziehungsweise Verdacht auf Komplikationen;
  • Verdacht auf nekrotisierende Pneumonie, Lungenabszess oder komplizierten parapneumonischen Erguss;
  • persistierenden oder rezidivierenden fokalen Konsolidierungen mit Verdacht auf eine zugrunde liegende bronchiale Obstruktion oder Neoplasie.

Das CT-Protokoll richtet sich nach der Fragestellung. Zur Beurteilung des Lungenparenchyms kann eine native CT ausreichend sein. Bei Verdacht auf pleurale oder mediastinale Komplikationen, Abszessbildung oder vaskuläre Pathologien kann eine intravenöse Kontrastmittelgabe erforderlich sein.

CT-Morphologie

Die CT kann Milchglasopazitäten, Konsolidierungen, Bronchialwandverdickungen, zentrilobuläre Noduli und Tree-in-bud-Veränderungen differenziert darstellen. Auch ein Crazy-paving-Muster kann auftreten, ist jedoch nicht spezifisch für eine bestimmte infektiöse Ätiologie.

Die Kombination aus Bronchialwandverdickungen und zentrilobulären Noduli kann auf eine bronchioläre Beteiligung hinweisen. Ausgedehnte Milchglasopazitäten und Konsolidierungen können bei viralen wie bakteriellen Infektionen vorkommen.

Die CT verbessert damit die morphologische Charakterisierung und Komplikationsdiagnostik, ersetzt jedoch keine mikrobiologische Erregerdiagnostik.


Wichtige Differenzialdiagnosen

Kardiales Lungenödem

Das kardiale Lungenödem kann retikuläre, perihiläre und alveoläre Opazitäten verursachen. Hinweise auf eine pulmonalvenöse Stauung, Kerley-B-Linien, peribronchial cuffing, Pleuraergüsse und eine vergrösserte Herzsilhouette können die Diagnose unterstützen.

Besonders bei bilateralen Verschattungen ist die Abgrenzung gegenüber einer infektiösen Pneumonie von Bedeutung. Aufnahmeprojektion und klinischer Kontext müssen berücksichtigt werden.

Interstitielle Lungenerkrankungen

Chronische interstitielle Lungenerkrankungen können retikuläre und retikulonoduläre Opazitäten hervorrufen. Eine begleitende Volumenminderung, architektonische Verzerrung und länger bestehende Veränderungen in Voraufnahmen können Hinweise auf einen chronischen Prozess liefern.

Eine akute Infektion kann sich auf eine vorbestehende interstitielle Lungenerkrankung überlagern. Bei diagnostischer Unsicherheit kann eine CT erforderlich sein.

Organisierende Pneumonie

Die organisierende Pneumonie (OP) kann mit multifokalen, teilweise migratorischen Konsolidierungen auftreten und eine infektiöse Pneumonie imitieren. Sie kann kryptogen oder sekundär, unter anderem nach Infektionen, im Zusammenhang mit Medikamenten oder systemischen Erkrankungen entstehen.

Insbesondere persistierende oder wechselnde pulmonale Opazitäten bei fehlender klinischer Infektkonstellation sollten Anlass geben, eine organisierende Pneumonie differenzialdiagnostisch zu berücksichtigen.

Mykobakterielle Infektionen

Die pulmonale Tuberkulose und Infektionen durch nichttuberkulöse Mykobakterien können noduläre, retikulonoduläre oder konsolidierende Veränderungen verursachen. Apikale Betonung, Kavitationen oder ein chronischer Verlauf können zusätzliche Hinweise liefern, sind jedoch nicht obligat.

Die radiologische Differenzierung gegenüber anderen infektiösen Erkrankungen ist häufig eingeschränkt.

ARDS und diffuse alveoläre Schädigung

Bei schwerem klinischem Verlauf können bilaterale alveoläre Opazitäten Ausdruck eines ARDS sein. Das radiologische Muster ist ätiologisch unspezifisch und kann sowohl bei schweren Infektionen als auch bei nichtinfektiösen Ursachen auftreten.

Neoplastische Erkrankungen

Persistierende fokale Konsolidierungen können durch pneumonisch wachsende Adenokarzinome oder poststenotische Veränderungen bei bronchialer Obstruktion verursacht werden.

Bei fehlender Rückbildung trotz angemessener Behandlung ist abhängig vom klinischen Risikoprofil eine weiterführende Diagnostik erforderlich.


Radiologischer Verlauf und Kontrolluntersuchungen

Die radiologische Rückbildung einer Pneumonie kann gegenüber der klinischen Besserung deutlich verzögert sein. Persistierende Opazitäten über mehrere Wochen sind insbesondere bei älteren Patienten, ausgeprägten Konsolidierungen und vorbestehenden Lungenerkrankungen möglich.

Eine routinemässige radiologische Verlaufskontrolle ist bei unkomplizierter klinischer Erholung nicht grundsätzlich erforderlich. Die NICE-Leitlinie von 2025 empfiehlt nach stationär behandelter Pneumonie keine generelle Kontrollaufnahme. Eine Thoraxaufnahme nach etwa sechs Wochen kann bei persistierenden Beschwerden, unerklärtem Gewichtsverlust oder erhöhtem Risiko für eine zugrunde liegende pulmonale Erkrankung sinnvoll sein.

Bei klinischer Verschlechterung oder Verdacht auf Komplikationen richtet sich der Zeitpunkt der erneuten Bildgebung nach der aktuellen Fragestellung. Eine persistierende fokale Konsolidierung kann eine CT und gegebenenfalls eine bronchoskopische Abklärung erforderlich machen.


Beispiele für die Befundformulierung

Retikulonoduläre Veränderungen

Befund: Diskrete, beidseits basal betonte retikulonoduläre Opazitäten ohne abgrenzbare alveoläre Konsolidierung. Kein Pleuraerguss.

Beurteilung: Unspezifische bibasale retikulonoduläre Zeichnungsvermehrung. Bei entsprechender Klinik entzündliche Genese möglich. Keine radiologisch sichere Erregerzuordnung.

Peribronchiale Veränderungen

Befund: Bilateral betonte peribronchiale Wandverdickungen mit vereinzeltem peribronchial cuffing. Keine fokale alveoläre Konsolidierung.

Beurteilung: Bronchitisches beziehungsweise peribronchiales Veränderungsmuster. Eine infektiöse Genese ist bei entsprechender Klinik möglich; kein spezifischer Hinweis auf einen atypischen Pneumonieerreger.

Multifokale alveoläre Opazitäten

Befund: Beidseits multifokale, teilweise konfluierende alveoläre Opazitäten mit Betonung der Unterfelder. Kein grösserer Pleuraerguss.

Beurteilung: Bilaterale multifokale pneumonische Veränderungen bei entsprechender klinischer Konstellation. Eine Differenzierung zwischen typischen bakteriellen, atypischen bakteriellen und viralen Erregern ist radiologisch nicht zuverlässig möglich.

Lobäre Konsolidierung

Befund: Ausgedehnte Konsolidierung des rechten Unterlappens mit positivem Luftbronchogramm. Kein Pleuraerguss.

Beurteilung: Rechtsseitige Unterlappenpneumonie bei entsprechender Klinik. Das lobäre Konsolidierungsmuster erlaubt keine sichere ätiologische Zuordnung.

Unauffälliges Thoraxröntgen

Befund: Keine fokalen pulmonalen Opazitäten. Kein Pleuraerguss. Keine radiologisch nachweisbare alveoläre Konsolidierung.

Beurteilung: Kein konventionell-radiologischer Nachweis einer Pneumonie. Eine frühe oder diskrete pulmonale Infektion ist damit nicht sicher ausgeschlossen. Weiterführende Diagnostik nach klinischer Indikation.


Glossar
  • CAP (Community-acquired Pneumonia): Ambulant erworbene Pneumonie. Pneumonie, die ausserhalb des Krankenhauses erworben wurde und nicht den Kriterien einer nosokomialen Pneumonie entspricht.
  • HAP (Hospital-acquired Pneumonia): Nosokomiale Pneumonie, die frühestens 48 Stunden nach stationärer Aufnahme auftritt und bei Aufnahme nicht bereits inkubierte. Von der beatmungsassoziierten Pneumonie (VAP) abzugrenzen.
  • Peribronchial cuffing: Manschettenartige Verdickung der Bronchialwände, die bei quer getroffenen Bronchien als ringförmige Opazität sichtbar werden kann. Unter anderem bei entzündlichen Bronchialwandveränderungen und interstitiellem Lungenödem.
  • Retikulonoduläres Muster: Kombination linearer, netzförmig angeordneter Opazitäten mit kleinnodulären Verschattungen. Im konventionellen Röntgen morphologisch beschreibend, ohne sichere Zuordnung zu einem einzelnen anatomischen Kompartiment.
  • Konsolidierung: Zunahme der pulmonalen Röntgendichte durch weitgehende Verdrängung der alveolären Luft, beispielsweise durch entzündliches Exsudat. Ein Luftbronchogramm kann sichtbar sein.
  • Ground-glass Opacity (GGO): Milchglasopazität in der CT mit erhöhter pulmonaler Dichte bei weiterhin erkennbaren bronchovaskulären Strukturen. Kein spezifisches Zeichen einer bestimmten Infektion.
  • Tree-in-bud-Muster: CT-morphologisches Muster verzweigter zentrilobulärer Opazitäten, häufig Ausdruck einer bronchiolären beziehungsweise endobronchialen Ausbreitung eines Krankheitsprozesses.
  • Zentrilobuläre Noduli: Kleine noduläre Opazitäten im Zentrum des sekundären pulmonalen Lobulus, häufig im Zusammenhang mit bronchiolären oder peribronchiolären Erkrankungen.
  • Crazy-paving-Muster: Kombination von Milchglasopazitäten mit überlagerter Verdickung interlobulärer Septen und intralobulärer Linien in der CT. Ätiologisch unspezifisch.
  • Organisierende Pneumonie (OP): Histopathologisches Reaktionsmuster mit intraalveolärer und bronchiolärer Organisation, das radiologisch häufig multifokale oder migratorische Konsolidierungen verursacht.
  • ARDS (Acute Respiratory Distress Syndrome): Akutes respiratorisches Distress-Syndrom mit nicht primär kardial bedingtem respiratorischem Versagen und bilateralen pulmonalen Opazitäten im entsprechenden klinischen Kontext.
  • Parapneumonischer Erguss: Pleuraerguss im Zusammenhang mit einer Pneumonie. Bei kompliziertem Verlauf kann ein gekammerter Erguss beziehungsweise ein Pleuraempyem entstehen.

Fazit

Die atypische Pneumonie besitzt kein pathognomonisches radiologisches Erscheinungsbild. Retikulonoduläre Opazitäten, peribronchial cuffing, multifokale alveoläre Verdichtungen und lobäre Konsolidierungen können bei unterschiedlichen bakteriellen und viralen Erregern auftreten. Die klassische Gegenüberstellung von typischer und atypischer Pneumonie ist deshalb für eine zuverlässige ätiologische Differenzierung ungeeignet.

Der diagnostische Beitrag der konventionellen Radiologie besteht in der Erkennung und morphologischen Charakterisierung pulmonaler Veränderungen, der Beurteilung ihrer Verteilung sowie der Identifikation relevanter Begleitbefunde und Differenzialdiagnosen. Die CT ergänzt die Diagnostik bei unklaren, schweren oder komplizierten Verläufen, ersetzt jedoch keine mikrobiologische Erregerdiagnostik. Für eine fachlich präzise Befundung bleibt die konsequente Trennung von Morphologie, klinischer Interpretation und Ätiologie entscheidend.


Hinweis zu den Abbildungen: Die mit künstlicher Intelligenz erstellten Infografiken dienen der didaktischen Veranschaulichung radiologischer Befunde. Sie können anatomische Vereinfachungen oder Ungenauigkeiten enthalten und ersetzen keine diagnostischen Originalaufnahmen.

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