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Abdomenröntgen: Verkalkungen und ihre Differenzialdiagnosen

Radiologin analysiert Verkalkungen auf einer Abdomenröntgenaufnahme an einer diagnostischen Workstation.

Verkalkungen gehören zu den häufigen Nebenbefunden in der konventionellen Abdomenradiographie. Sie können Ausdruck harmloser altersabhängiger Veränderungen sein, aber auch auf Harnsteine, chronisch-entzündliche Erkrankungen, Gefässpathologien oder verkalkte Raumforderungen hinweisen. Die diagnostische Herausforderung besteht weniger im Erkennen der röntgendichten Struktur als in ihrer korrekten anatomischen und morphologischen Zuordnung.

Eine systematische Analyse berücksichtigt deshalb Lokalisation, Form, Begrenzung, Binnenstruktur und Verteilung der Verkalkungen. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen Konkrementen, Gefässwandverkalkungen und Verkalkungen parenchymatöser Organe oder Weichteilstrukturen. Dieser Beitrag vermittelt eine praxisorientierte Vorgehensweise und erläutert typische Differenzialdiagnosen sowie die Grenzen der Abdomenübersichtsaufnahme.

Inhaltsverzeichnis
  1. Systematische Analyse abdominaler Verkalkungen
  2. Morphologische Verkalkungsmuster
  3. Verkalkungen des Harntrakts
  4. Gefässverkalkungen
  5. Verkalkungen im Oberbauch
  6. Verkalkungen im kleinen Becken
  7. Weitere abdominale Verkalkungen
  8. Differenzialdiagnostische Übersicht
  9. Typische Fehlerquellen
  10. Weiterführende Diagnostik
  11. Strukturierte Befundung
  12. Fazit
  13. Literatur

1. Systematische Analyse abdominaler Verkalkungen

Die Beurteilung einer abdominalen Verkalkung beginnt mit der Frage, ob sich die röntgendichte Struktur einem bestimmten Organ oder anatomischen Kompartiment zuordnen lässt. Die Projektion allein ist dabei nicht immer ausreichend: Eine über dem Nierenlager gelegene Verkalkung muss nicht zwingend aus der Niere stammen, und eine Verkalkung entlang des vermuteten Ureterverlaufs kann ebenso einem Phlebolithen entsprechen.

Für eine reproduzierbare Analyse empfiehlt sich folgendes Vorgehen:

  1. Lokalisation: Oberbauch, Mittelbauch, Flanke, Retroperitoneum oder kleines Becken; rechts, links oder median.
  2. Morphologie: Punktförmig, rundlich, oval, länglich, verzweigt, linear, bogenförmig oder flächig.
  3. Begrenzung: Scharf oder unscharf, glatt oder irregulär, kontinuierlich oder unterbrochen.
  4. Binnenstruktur: Homogen dicht, lamelliert, zentral aufgehellt oder unregelmässig.
  5. Verteilung: Solitär, gruppiert, multipel, symmetrisch oder entlang einer anatomischen Struktur.
  6. Klinischer Kontext: Alter, Beschwerden, Voroperationen, bekannte Steinleiden, chronische Entzündungen oder Gefässerkrankungen.

Die Kombination aus Morphologie und anatomischer Lage ist wesentlich aussagekräftiger als die alleinige Röntgendichte. Eine definitive Organzuordnung gelingt auf der Projektionsaufnahme jedoch nicht in jedem Fall.


2. Morphologische Verkalkungsmuster

Bestimmte Verkalkungsmuster lassen bereits vor der anatomischen Zuordnung an typische Ursachen denken.

Morphologie Typische Ursachen Diagnostischer Hinweis
Rundlich oder oval Harnsteine, Phlebolithen, Gallensteine Lokalisation und Binnenstruktur entscheidend
Verzweigt oder korallenförmig Ausgussstein des Nierenbeckenkelchsystems Projektion auf das Nierensammelsystem
Linear oder parallel verlaufend Arterielle Wandverkalkungen Verlauf entlang bekannter Gefässachsen
Bogenförmig oder schalenartig Gefässaneurysma, verkalkte Zyste, andere verkalkte Raumforderung Grösse, Kontur und Organbezug prüfen
Grob und irregulär Verkalktes Myom, chronische Pankreatitis, dystrophe Verkalkung Region und Verteilung berücksichtigen
Multiple feine Verkalkungen Nephrokalzinose, Granulome, andere parenchymatöse Verkalkungen Organbezogene oder diffuse Verteilung

Diese Muster sind diagnostische Orientierungshilfen und keine beweisenden Zeichen. Insbesondere rundliche und bogenförmige Verkalkungen besitzen ein breites differenzialdiagnostisches Spektrum.


3. Verkalkungen des Harntrakts

3.1 Nierenkonkremente

Radiologisch sichtbare Nierensteine erscheinen als umschriebene röntgendichte Strukturen in Projektion auf die Nierenlager. Ihre Form und Grösse variieren erheblich. Grössere Konkremente können das Nierenbeckenkelchsystem teilweise oder vollständig ausfüllen und eine charakteristische verzweigte Konfiguration entwickeln.

Ein Ausgussstein beziehungsweise Korallenstein folgt der Anatomie des Nierenbeckenkelchsystems und kann dadurch bereits in der Abdomenübersichtsaufnahme erkannt werden.

Die Sichtbarkeit hängt wesentlich von der chemischen Zusammensetzung, der Grösse und den Aufnahmebedingungen ab. Kalziumhaltige Steine sind häufig röntgendicht, während reine Harnsäuresteine in der konventionellen Röntgenaufnahme in der Regel nicht sichtbar sind. Die Röntgendichte erlaubt jedoch keine zuverlässige quantitative Bestimmung der Steinzusammensetzung.

3.2 Ureterkonkremente

Uretersteine können entlang des anatomischen Harnleiterverlaufs sichtbar werden. Besonders relevant sind die typischen Engstellen am pyeloureteralen Übergang, bei der Kreuzung der Iliakalgefässe und am ureterovesikalen Übergang. In der Abdomenübersichtsaufnahme ist der Harnleiter selbst normalerweise nicht abgrenzbar. Die Zuordnung einer Verkalkung zum Ureter erfolgt daher indirekt anhand ihrer Lage, des klinischen Befundes und gegebenenfalls vorhandener Voraufnahmen. Die grösste differenzialdiagnostische Schwierigkeit besteht im kleinen Becken, wo Ureterkonkremente und Phlebolithen häufig eine ähnliche Projektion aufweisen.

3.3 Phlebolithen als wichtige Differenzialdiagnose

Phlebolithen sind verkalkte venöse Thromben und gehören zu den häufigen Verkalkungen im kleinen Becken. Sie sind meist rundlich oder oval und können eine zentrale Aufhellung zeigen. Eine zentrale Aufhellung spricht bei entsprechender Lokalisation für einen Phlebolithen, ist jedoch weder immer vorhanden noch ein absolut zuverlässiges Unterscheidungsmerkmal. Umgekehrt beweist eine homogene Verkalkung keinen Ureterstein.

Merkmal Ureterkonkrement Phlebolith
Lokalisation Entlang des Ureterverlaufs Häufig lateral im kleinen Becken
Form Rundlich, oval oder irregulär Meist rundlich oder oval
Zentrale Aufhellung Ungewöhnlich Kann vorhanden sein
Verteilung Einzeln oder mehrfach Häufig multipel
Zusätzliche Hinweise Kolik, Harnstau in weiterführender Bildgebung Häufig asymptomatischer Zufallsbefund

Wichtig: Der in der CT beschriebene Weichteilsaum um einen Ureterstein (soft-tissue rim sign) und das comet-tail sign bei Phlebolithen sind CT-Zeichen. Sie dürfen nicht als reguläre diagnostische Kriterien der konventionellen Abdomenaufnahme verwendet werden.

3.4 Nephrokalzinose

Bei der Nephrokalzinose handelt es sich um Kalziumablagerungen im Nierenparenchym, nicht um einzelne Konkremente des Hohlsystems. Besonders häufig betrifft die medulläre Nephrokalzinose die Markpyramiden. Im Röntgenbild können multiple, teils beidseitige Verkalkungen in Projektion auf die Nieren sichtbar sein. Die Abgrenzung gegenüber multiplen Nierensteinen ist projektionsradiographisch schwierig. Mögliche Ursachen sind unter anderem Störungen des Kalziumstoffwechsels, eine distale renal-tubuläre Azidose und die medulläre Schwammniere. Die weitere Abklärung erfolgt abhängig vom klinischen Kontext mittels Sonographie, CT und laborchemischer Diagnostik.

3.5 Blasensteine

Blasensteine können sich als rundliche oder ovale Verkalkungen in Projektion auf das kleine Becken darstellen. Grössere Steine können eine lamellierte Binnenstruktur aufweisen. Die Unterscheidung von anderen Beckenverkalkungen erfolgt anhand der medianen Lage, der klinischen Angaben und gegebenenfalls durch Sonographie. Eine Lageveränderung bei unterschiedlicher Patientenposition kann die intravesikale Lokalisation unterstützen, ist aber nicht bei jedem Blasenstein zu erwarten.


4. Gefässverkalkungen

4.1 Atherosklerotische Verkalkungen

Verkalkungen der abdominalen Aorta und der Iliakalarterien sind besonders bei älteren Patienten häufig. Sie erscheinen typischerweise als lineare, streifige oder bogenförmige Verdichtungen entlang des Gefässverlaufs. In der seitlichen Projektion können Verkalkungen der ventralen und dorsalen Aortenwand besonders deutlich sichtbar sein. In der frontalen Abdomenaufnahme ist die Gefässzuordnung dagegen teilweise erschwert. Eine sichtbare Wandverkalkung ist Ausdruck einer Gefässwandveränderung, erlaubt jedoch keine zuverlässige Aussage über den Grad einer luminalen Stenose.

4.2 Abdominelles Aortenaneurysma

Ein abdominelles Aortenaneurysma kann durch bogenförmige oder parallel verlaufende Wandverkalkungen auffallen. Insbesondere eine nach lateral verlagerte, geschwungene Verkalkungskontur kann den Verdacht auf eine aneurysmatische Erweiterung begründen.

Die konventionelle Abdomenaufnahme ist jedoch nicht geeignet, ein Aortenaneurysma zuverlässig auszuschliessen oder seinen maximalen Durchmesser zu bestimmen. Die verkalkte Wand bildet unter Umständen nur einen Teil der tatsächlichen Gefässkontur ab.

Bei einem entsprechenden Verdacht ist eine sonographische Abklärung sinnvoll. Bei akuten Beschwerden und Verdacht auf eine symptomatische Aortenpathologie ist eine unverzügliche weiterführende Diagnostik erforderlich; bei klinischem Verdacht auf Ruptur richtet sich die Bildgebung nach der hämodynamischen Stabilität.

4.3 Weitere Gefässverkalkungen

Auch viszerale Arterien, beispielsweise die Milzarterie, können verkalken. Eine geschlängelte, streifige Verkalkung im linken Oberbauch kann dem Verlauf der Milzarterie entsprechen. Davon abzugrenzen sind verkalkte Aneurysmen viszeraler Arterien, die sich als rundliche oder schalenartige Verkalkungen präsentieren können. Eine sichere Differenzierung ist häufig erst mittels Sonographie, CT oder CT-Angiographie möglich.


5. Verkalkungen im Oberbauch

5.1 Gallensteine

Verkalkte Gallensteine können als rundliche, ovale oder facettierte Verdichtungen im rechten Oberbauch sichtbar werden. Teilweise zeigen sie eine randständige Verkalkung oder eine inhomogene Binnenstruktur. Allerdings sind viele Gallensteine in der konventionellen Röntgenaufnahme nicht erkennbar. Ein unauffälliges Abdomenröntgen schliesst eine Cholezystolithiasis daher keineswegs aus. Die Sonographie ist die bevorzugte Untersuchung zur Abklärung einer vermuteten Cholezystolithiasis.

5.2 Verkalkungen der Gallenblasenwand

Eine ausgedehnte Verkalkung der Gallenblasenwand kann zu einer sogenannten Porzellangallenblase führen. Projektionsradiographisch kann eine bogenförmige oder schalenartige Verkalkung im rechten Oberbauch auffallen. Die Abgrenzung gegenüber einem grossen randständig verkalkten Gallenstein oder anderen verkalkten Strukturen ist nicht immer möglich. Ausserdem muss zwischen unterschiedlichen Mustern der Gallenblasenwandverkalkung unterschieden werden, da deren klinische Bedeutung nicht identisch ist.

5.3 Pankreasverkalkungen

Multiple grobe, punktförmige oder irreguläre Verkalkungen im mittleren Oberbauch können auf eine chronisch kalzifizierende Pankreatitis hinweisen. Typisch ist eine gruppierte oder längliche Verteilung in Projektion auf den Pankreasverlauf. Dabei können sowohl intraduktale Konkremente als auch parenchymatöse Verkalkungen vorliegen. Bei entsprechender klinischer Vorgeschichte ist dieses Muster charakteristisch. Allerdings können einzelne Verkalkungen auch durch benachbarte Gefässe, Lymphknoten oder andere Oberbauchstrukturen verursacht sein. Die CT ermöglicht eine deutlich bessere anatomische Zuordnung und die Beurteilung weiterer morphologischer Veränderungen des Pankreas.

5.4 Leber- und Milzverkalkungen

Multiple kleine, punktförmige Verkalkungen in Projektion auf Leber oder Milz können Residuen früherer granulomatöser Erkrankungen darstellen. Daneben kommen verkalkte Zysten, parasitäre Läsionen, posttraumatische Veränderungen und selten verkalkte Tumoren infrage.

Insbesondere grössere randständige oder schalenartige Verkalkungen erfordern eine differenzialdiagnostische Abklärung. Die Morphologie allein erlaubt nicht immer eine sichere Unterscheidung zwischen einer benignen Zyste und einer anderen verkalkten Raumforderung.


6. Verkalkungen im kleinen Becken

6.1 Verkalkte Uterusmyome

Verkalkte Leiomyome des Uterus können im kleinen Becken als grobe, lobulierte oder popcornartige Verkalkungen sichtbar werden. Die Verkalkungen können zentral, peripher oder diffus verteilt sein. Eine typische grobschollige Morphologie in Verbindung mit der uterinen Projektion kann bereits einen starken Verdacht begründen. Bei unklarer Lokalisation ist die Sonographie zur weiteren Zuordnung geeignet.

6.2 Weitere gynäkologische Verkalkungen

Verkalkungen können auch in Adnextumoren auftreten. Insbesondere reife zystische Teratome können verkalkte Anteile enthalten, beispielsweise Zähne oder knöcherne Strukturen. Eine sichere Zuordnung zu einem Ovarialtumor ist anhand der Abdomenübersichtsaufnahme in der Regel nicht möglich. Die weiterführende Diagnostik richtet sich nach dem sonographischen Befund und der klinischen Situation.

6.3 Prostataverkalkungen

Prostataverkalkungen sind häufige Zufallsbefunde. Sie können als kleine, gruppierte Verkalkungen in Projektion auf die Prostata unterhalb der Harnblase auftreten. Meist besitzen sie keine unmittelbare klinische Bedeutung. Bei unklarer Lage sind sie insbesondere von Harnröhren- oder Blasenkonkrementen abzugrenzen.


7. Weitere abdominale Verkalkungen

7.1 Verkalkte Lymphknoten

Verkalkte Lymphknoten können nach abgelaufenen entzündlichen oder granulomatösen Erkrankungen zurückbleiben. Sie erscheinen häufig als irreguläre, lobulierte oder grobschollige Verdichtungen. Je nach Lokalisation können sie mit Harnsteinen, Pankreasverkalkungen oder anderen Weichteilverkalkungen verwechselt werden.

7.2 Appendikolithen

Ein Appendikolith kann als kleine, rundliche oder unregelmässige Verkalkung im rechten Unterbauch sichtbar sein. Seine Lage kann variieren, abhängig von der Position der Appendix. Ein Appendikolith allein beweist keine akute Appendizitis. Umgekehrt schliesst sein Fehlen eine Appendizitis nicht aus. Bei entsprechendem klinischem Verdacht sind Sonographie beziehungsweise CT wesentlich aussagekräftiger.

7.3 Verkalkte Weichteilraumforderungen

Verkalkungen innerhalb von Raumforderungen können unterschiedliche Ursachen haben. Hierzu gehören degenerative, entzündliche, posttraumatische und neoplastische Veränderungen. Besonders bei grösseren, unregelmässigen oder atypisch lokalisierten Verkalkungen ist zu prüfen, ob eine begleitende Weichteilraumforderung vorliegt. Die konventionelle Röntgenaufnahme ist für diese Beurteilung häufig nicht ausreichend.

7.4 Tumorassoziierte Verkalkungen und verkalkte Metastasen

Verkalkungen können sowohl in primären Tumoren als auch in Metastasen auftreten. Mögliche Mechanismen sind dystrophe Kalziumablagerungen in nekrotischem Tumorgewebe, muzinassoziierte Verkalkungen und Veränderungen nach einer Tumortherapie.

Zu den relevanten Differenzialdiagnosen gehören verkalkte Metastasen kolorektaler Karzinome und neuroendokriner Tumoren. Auch andere maligne Erkrankungen können mit verkalkten Weichteilläsionen einhergehen. Bei bekannter Tumoranamnese müssen neu aufgetretene oder ungewöhnlich verteilte Verkalkungen daher im onkologischen Kontext beurteilt werden.

Beim Prostatakarzinom sind insbesondere osteoblastische Knochenmetastasen zu berücksichtigen. Diese zeigen sich als sklerotische Knochenläsionen und müssen von echten Verkalkungen der abdominalen Weichteile unterschieden werden.

Die konventionelle Abdomenaufnahme kann solche Veränderungen sichtbar machen, erlaubt aber häufig keine sichere Zuordnung. Für die weitere Charakterisierung ist die Schnittbilddiagnostik entscheidend.


8. Differenzialdiagnostische Übersicht nach Lokalisation

Lokalisation Wichtige Differenzialdiagnosen Typische Hinweise
Rechter Oberbauch Gallenstein, Gallenblasenwandverkalkung, Leberverkalkung, Nierenstein Rundlich, schalenartig oder organbezogen
Linker Oberbauch Milzarterienverkalkung, Milzgranulom, Pankreasverkalkung, Nierenstein Linear, punktförmig oder gruppiert
Mittlerer Oberbauch Pankreasverkalkungen, Gefässverkalkungen, Lymphknoten Grob, irregulär oder länglich verteilt
Flanken / Nierenlager Nephrolithiasis, Nephrokalzinose, Gefässverkalkung Solitär, multipel oder verzweigt
Paravertebral Aortenverkalkung, Aortenaneurysma, Lymphknoten Linear oder bogenförmig
Rechter Unterbauch Appendikolith, Ureterstein, Phlebolith, Lymphknoten Rundlich oder irregulär
Kleines Becken Phlebolithen, Uretersteine, Blasensteine, Myome, Prostataverkalkungen Lage, Zahl und Binnenstruktur entscheidend

Diese Tabelle dient der ersten Orientierung. Bei überlagernden Strukturen oder atypischer Morphologie muss die Differenzialdiagnose entsprechend erweitert werden.


9. Typische Fehlerquellen

9.1 Anatomische Projektion mit Organzuordnung verwechseln

Eine Verkalkung über dem Nierenlager ist nicht automatisch ein Nierenstein. Auch Gefässverkalkungen, verkalkte Lymphknoten oder andere retroperitoneale Strukturen können sich auf die Niere projizieren.

9.2 Phlebolithen als Uretersteine interpretieren

Insbesondere im kleinen Becken besteht eine erhebliche Überlagerung verschiedener anatomischer Strukturen. Eine eindeutige Zuordnung gelingt auf der Abdomenübersichtsaufnahme häufig nicht.

9.3 Fehlende Verkalkungen als Ausschluss einer Erkrankung werten

Viele Harn- und Gallensteine sind projektionsradiographisch nicht sichtbar. Ein negativer Röntgenbefund besitzt deshalb nur eine begrenzte Ausschlusskraft.

9.4 Verkalkte Gefässkonturen unterschätzen

Eine bogenförmige Verkalkung entlang der abdominalen Aorta darf nicht vorschnell als belangloser Altersbefund eingeordnet werden. Entscheidend ist, ob eine aneurysmatische Erweiterung möglich erscheint.

9.5 Extrakorporale und technische Überlagerungen übersehen

Kleidungsbestandteile, Knöpfe, medizinische Fremdmaterialien und andere äussere Strukturen können Verkalkungen vortäuschen. Vor einer pathologischen Zuordnung müssen solche Überlagerungen ausgeschlossen werden.


10. Weiterführende Diagnostik

Die Abdomenübersichtsaufnahme kann Verkalkungen erkennen und anhand ihrer Morphologie differenzialdiagnostisch eingrenzen. Für die sichere anatomische Zuordnung und die Beurteilung möglicher Komplikationen sind jedoch häufig andere Verfahren erforderlich.

Fragestellung Geeignete weiterführende Bildgebung
Verdacht auf Urolithiasis Je nach klinischer Situation Sonographie oder native Low-Dose-CT
Verdacht auf Gallensteine Sonographie
Verdacht auf Aortenaneurysma Sonographie; bei symptomatischer oder komplexer Gefässpathologie CT-Angiographie
Unklare Pankreasverkalkungen CT beziehungsweise gezielte Pankreasdiagnostik
Verkalkte Raumforderung Sonographie, CT oder MRT je nach Lokalisation und Fragestellung
Unklare Beckenverkalkung Sonographie oder CT, abhängig von der vermuteten Ursache

Bei akutem Flankenschmerz und Verdacht auf Urolithiasis ist die native CT bei nicht schwangeren Erwachsenen gemäss den ACR Appropriateness Criteria ein besonders geeignetes Verfahren. Die Sonographie besitzt unter anderem in der Schwangerschaft und bei ausgewählten Patienten eine wichtige Rolle. Die Wahl der weiterführenden Untersuchung muss stets die klinische Dringlichkeit, das Alter, die Strahlenexposition und die konkrete diagnostische Fragestellung berücksichtigen.


11. Strukturierte Befundung abdominaler Verkalkungen

Eine aussagekräftige Befundung sollte die sichtbare Morphologie von der diagnostischen Interpretation unterscheiden. Unklare Organzuordnungen müssen als solche benannt werden.

Beispiel 1: Verdacht auf Nierenstein

Befund: Rundliche, scharf begrenzte röntgendichte Struktur von etwa 7 mm Durchmesser in Projektion auf das rechte Nierenlager.
Beurteilung: Verdacht auf rechtsseitiges Nierenkonkrement. Eine sichere Zuordnung zum Nierenhohlsystem ist anhand der Projektionsaufnahme nicht möglich.

Beispiel 2: Gefässverkalkungen

Befund: Streifige und teilweise bogenförmige Verkalkungen paravertebral links entlang des erwarteten Verlaufs der abdominalen Aorta.
Beurteilung: Atherosklerotische Aortenwandverkalkungen. Eine zuverlässige Beurteilung des Aortendurchmessers ist projektionsradiographisch nicht möglich.

Beispiel 3: Pankreasverkalkungen

Befund: Multiple grobe, irreguläre Verkalkungen im mittleren Oberbauch, überwiegend links der Mittellinie.
Beurteilung: Bei entsprechender anatomischer Zuordnung und klinischer Vorgeschichte vereinbar mit Verkalkungen im Rahmen einer chronischen Pankreatitis. Eine sichere Organlokalisation erfordert gegebenenfalls weiterführende Bildgebung.


12. Fazit

Verkalkungen im Abdomenröntgen sind häufig und besitzen ein breites Spektrum möglicher Ursachen. Ihre diagnostische Einordnung gelingt am zuverlässigsten durch die Kombination aus Morphologie, anatomischer Projektion, Verteilung und klinischem Kontext.

Besonders praxisrelevant sind die Differenzierung von Harnsteinen und Phlebolithen, die Erkennung typischer Pankreasverkalkungen sowie die Beurteilung vaskulärer Verkalkungsmuster. Bogenförmige Aortenwandverkalkungen verdienen besondere Aufmerksamkeit, da sie auf eine aneurysmatische Erweiterung hinweisen können.

Die konventionelle Abdomenradiographie kann charakteristische Befunde sichtbar machen, ersetzt jedoch bei unklarer Organzuordnung oder klinisch relevanter Fragestellung nicht die gezielte Sonographie beziehungsweise CT.


13. Literatur

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  2. Chen MY, Bechtold RE, Bohrer SP, Zagoria RJ, Dyer RB. Abnormal Calcification on Plain Radiographs of the Abdomen. Critical Reviews in Diagnostic Imaging. 1999;40(2–3):63–202.
  3. Gupta RT, Kalisz K, Khatri G, et al. ACR Appropriateness Criteria® Acute Onset Flank Pain–Suspicion of Stone Disease (Urolithiasis). Journal of the American College of Radiology. 2023;20(11S):S315–S328. doi:10.1016/j.jacr.2023.08.020.
  4. Loo JT, Duddalwar V, Chen FK, et al. Abdominal Radiograph Pearls and Pitfalls for the Emergency Department Radiologist: A Pictorial Review. Abdominal Radiology. 2017;42(4):987–1019. doi:10.1007/s00261-016-0859-8.
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