Startseite » Blog » 04. OE Ellenbogen » Ellenbogenfrakturen mit Epiphysenbeteiligung im Kindesalter

Verletzungen des Ellenbogens im Kindesalter sind häufig und häufig mit einer Beteiligung der Epiphysenfuge assoziiert. Die korrekte radiologische Einordnung ist entscheidend für Therapie, Prognose und das Risiko für Wachstumsstörungen. Besonders bei Kindern und Jugendlichen im Wachstum müssen subtile Frakturlinien und indirekte Zeichen erkannt werden.

Besonderheiten der kindlichen Ellenbogenradiologie

  • Mehrere Ossifikationszentren (CRITOE-Reihenfolge)
  • Offene Epiphysenfugen
  • Erhöhtes Risiko für Fehlstellungen bei unzureichender Reposition
  • Hohe Remodellierungskapazität – jedoch eingeschränkt bei intraartikulären Verletzungen

Besonders Frakturen mit Gelenkbeteiligung erfordern eine exakte Beurteilung, da selbst geringe Stufen oder Fehlstellungen funktionell relevant sein können.

Bildgebung und typische Zeichen

  • Standardprojektionen: a.-p. und lateral
  • Ergusszeichen: Positives vorderes Fat-Pad („Sail-Sign“), posterior pathognomonisch
  • Radiokapitelläre Linie: Muss das Capitellum in allen Ebenen schneiden
  • Epiphysenfuge: Frakturlinie, Stufen, metaphysäre Keile

Klassifikation pädiatrischer Epiphysenverletzungen

Epiphysenfugenfrakturen werden klassisch nach Salter-Harris beschrieben. Die Aitken-Klassifikation bildet eine frühere Grundlage und ordnet sich entsprechend zu.

Epiphysenfugenverletzungen: Aitken & Salter-Harris

Aitken Beschreibung Salter-Harris
0 Reine Fugenlösung ohne metaphysären Anteil I
I Fugenlösung mit kleinem metaphysären Fragment II
II Rein epiphysäre Fraktur (intraartikulär) III
III Metaphyse → Fuge → Epiphyse → Gelenk (intraartikulär)
entspricht Salter-Harris IV
IV
V (Kompression der Fuge)

Hinweis: Salter-Harris Typ V hat kein Aitken-Äquivalent.

Therapieprinzipien

  • Klinische Funktion und Neurologie prüfen (N. radialis, N. medianus, N. ulnaris)
  • Geringe, nicht stufenbildende Fehlstellungen → konservativ möglich
  • Intraartikuläre Frakturen mit Stufe → anatomische Reposition erforderlich
  • Kontrollaufnahmen nach Immobilisation
  • Blutversorgung und Kompartmentrisiko beachten

Praktische Merksätze

  • II = Metaphyse, III = Epiphyse, IV = durch alles
  • Geringe Fehlstellung tolerierbar – nicht bei Gelenkbeteiligung
  • Immer die radiokapitelläre Linie prüfen
  • Posterior Fat-Pad = pathologisch

Literatur

  • Rockwood & Wilkins: Fractures in Children
  • Bae DS, Waters PM. J Hand Surg 2011
  • Salter RB, Harris WR. J Bone Joint Surg 1963
  • Aitken AP. Surg Gynecol Obstet 1936

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