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Spondylolisthesis im Röntgen – Diagnostik und Klassifikation

Spondylolisthesis der Lendenwirbelsäule mit ventraler Verschiebung eines Wirbelkörpers

Spondylolisthesis im Röntgen – Ursachen, Klassifikation und Diagnostik

Die Spondylolisthesis bezeichnet die Verschiebung eines Wirbels gegenüber dem darunterliegenden Wirbel. Am häufigsten betrifft das Wirbelgleiten die Lendenwirbelsäule. Die Ursachen sind unterschiedlich und reichen vom Defekt der Pars interarticularis bis zu degenerativen Veränderungen von Bandscheiben und Facettengelenken. Das konventionelle Röntgen ermöglicht in vielen Fällen bereits die entscheidende diagnostische Einordnung.

Spondylolyse, Spondylolisthesis und Pseudospondylolisthesis

Die Begriffe Spondylolyse und Spondylolisthesis werden häufig gemeinsam verwendet, beschreiben jedoch unterschiedliche Veränderungen.

  • Spondylolyse: Defekt der Pars interarticularis des Wirbelbogens, am häufigsten im Bereich von L5.
  • Spondylolisthesis: Verschiebung eines Wirbels gegenüber dem darunterliegenden Wirbel. Bei der isthmischen Form besteht ein Defekt der Pars interarticularis.
  • Degenerative Spondylolisthesis: Wirbelgleiten infolge degenerativer Veränderungen bei erhaltener Pars interarticularis. Traditionell wird hierfür auch der Begriff Pseudospondylolisthesis verwendet.

Diese Unterscheidung ist diagnostisch wichtig: Nicht jedes Wirbelgleiten ist mit einer Spondylolyse verbunden, und eine Spondylolyse muss umgekehrt nicht zwangsläufig zu einer Spondylolisthesis führen.

Welche Ursachen hat eine Spondylolisthesis?

Für die diagnostische Einordnung ist die Ursache des Wirbelgleitens wichtiger als das Auswendiglernen einzelner Klassifikationstypen. Die klassische Einteilung nach Wiltse unterscheidet mehrere ätiologische Formen:

  • Dysplasie (Wiltse Typ I): Fehlbildungen des lumbosakralen Übergangs können die Entstehung eines Wirbelgleitens begünstigen.
  • Isthmische Veränderungen (Wiltse Typ II): Veränderungen der Pars interarticularis durch Ermüdungsfraktur, Elongation oder akute Fraktur.
  • Degenerative Veränderungen (Wiltse Typ III): Degeneration von Bandscheibe und Facettengelenken bei intakter Pars interarticularis. Typisch ist insbesondere das Segment L4/L5.
  • Traumatische Form (Wiltse Typ IV): Das Wirbelgleiten entsteht durch eine Fraktur des Wirbelbogens ausserhalb der Pars interarticularis.
  • Pathologische Form (Wiltse Typ V): Eine zugrunde liegende Knochenerkrankung führt zu einer strukturellen Schwächung und ermöglicht das Wirbelgleiten.

Spondylolyse – Defekt der Pars interarticularis

Die Spondylolyse betrifft die Pars interarticularis zwischen oberem und unterem Gelenkfortsatz. Besonders häufig ist L5 betroffen, gefolgt von L4. Eine wichtige Ursache ist die wiederholte mechanische Belastung mit repetitiver Hyperextension der Lendenwirbelsäule.

Anatomische Lage der Pars interarticularis an der Lendenwirbelsäule

Die Veränderung kann sich von einer Stressreaktion über eine inkomplette Ermüdungsfraktur bis zu einem vollständigen Pars-Defekt entwickeln. Der Defekt kann einseitig oder beidseitig auftreten. Insbesondere bei einem bilateralen Defekt kann sich ein ventrales Wirbelgleiten entwickeln.

Wie wird das Wirbelgleiten nach Meyerding eingeteilt?

Das Ausmass einer Spondylolisthesis wird traditionell nach Meyerding angegeben. Entscheidend ist die prozentuale Verschiebung des oberen Wirbelkörpers gegenüber der Deckplatte des darunterliegenden Wirbels.

  • Grad I: weniger als 25 %
  • Grad II: 25–50 %
  • Grad III: 50–75 %
  • Grad IV: 75–100 %
  • Grad V: vollständiges Abgleiten über 100 % – Spondyloptose

Damit beantworten Wiltse und Meyerding zwei unterschiedliche Fragen: Wiltse beschreibt die Ursache, Meyerding das Ausmass des Wirbelgleitens.

Warum ist eine Spondylolisthesis klinisch relevant?

Eine Spondylolisthesis ist nicht nur eine Veränderung der Wirbelstellung. Je nach Ursache und Ausprägung kann sie mit einer segmentalen Instabilität verbunden sein. Durch die Verschiebung eines Wirbels können sich zudem die anatomischen Verhältnisse im Bereich des Spinalkanals und der Neuroforamina verändern.

Mögliche Folgen sind eine Einengung der Neuroforamina oder des Spinalkanals mit Irritation oder Kompression neuraler Strukturen. Die Beschwerden können dabei belastungs- oder bewegungsabhängig auftreten. Insbesondere bei einer Instabilität kann auch das Ausmass der Verschiebung von der Körperposition abhängen.

Bei traumatisch oder entzündlich bedingten Veränderungen können zusätzliche strukturelle Schäden entstehen. Degenerative Veränderungen der Bandscheiben und Facettengelenke können mit einem Wirbelgleiten verbunden sein oder im weiteren Verlauf zunehmen.

Für die konventionelle Radiologie bedeutet dies: Neben dem Nachweis des Wirbelgleitens sind Ausmass, Ursache und mögliche Zeichen einer Instabilität von Bedeutung. Eine Einengung des Spinalkanals oder der Neuroforamina und insbesondere eine Kompression neuraler Strukturen lassen sich im konventionellen Röntgen jedoch nur eingeschränkt beziehungsweise indirekt beurteilen. Bei entsprechender klinischer Symptomatik ist daher eine weiterführende MRT- oder CT-Diagnostik erforderlich.

Spondylolisthesis im konventionellen Röntgen

Die seitliche Aufnahme der Lendenwirbelsäule ist für den Nachweis und die Graduierung des Wirbelgleitens besonders wichtig. Eine Stufe der ventralen oder dorsalen Wirbelkörperkonturen macht die Translation unmittelbar sichtbar.

Bei der systematischen Beurteilung werden insbesondere folgende Veränderungen erfasst:

  • Lokalisation und Richtung des Wirbelgleitens,
  • Ausmass der Translation und Meyerding-Grad,
  • Hinweise auf einen Defekt der Pars interarticularis,
  • Höhe des betroffenen Bandscheibenfaches,
  • degenerative Veränderungen der Wirbelkörper und Facettengelenke,
  • Stellung des lumbosakralen Übergangs sowie
  • weitere knöcherne Begleitveränderungen.

Bei der degenerativen Spondylolisthesis stehen häufig Bandscheibendegeneration und Facettengelenksarthrose im Vordergrund. Die Pars interarticularis bleibt intakt. Diese Konstellation findet sich besonders häufig im Segment L4/L5.

Wann sind Funktionsaufnahmen, CT oder MRT sinnvoll?

Funktionsaufnahmen in Flexion und Extension können bei der gezielten Fragestellung nach einer dynamischen segmentalen Instabilität zusätzliche Informationen liefern.

Die Computertomographie (CT) bietet die detaillierteste Darstellung der knöchernen Strukturen und kann insbesondere zur Charakterisierung eines Defektes der Pars interarticularis eingesetzt werden.

Die Magnetresonanztomographie (MRT) ergänzt die Röntgendiagnostik, wenn Bandscheiben, Spinalkanal, Neuroforamina und neurale Strukturen beurteilt werden müssen. Bei jüngeren Patientinnen und Patienten kann sie zudem frühe Stressreaktionen der Pars erfassen, bevor ein ausgeprägter knöcherner Defekt im konventionellen Röntgen sichtbar wird.

Fazit

Die Spondylolisthesis ist keine einheitliche Erkrankung, sondern ein radiologisches Zeichen mit unterschiedlichen Ursachen. Das konventionelle Röntgen erlaubt die Beurteilung von Lokalisation und Ausmass des Wirbelgleitens sowie vieler knöcherner und degenerativer Begleitveränderungen.

Für die diagnostische Einordnung sind drei Fragen entscheidend: Liegt ein Wirbelgleiten vor? Besteht ein Defekt der Pars interarticularis? Und wie ausgeprägt ist die Verschiebung? Die ätiologische Einordnung kann nach Wiltse, das Ausmass des Gleitens nach Meyerding erfolgen. CT und MRT ergänzen die konventionelle Radiologie bei speziellen Fragestellungen.

Literatur

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