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Strukturierte Befundung (SB)

Strukturierte Befundung bezeichnet die standardisierte, abschnittsbasierte Erstellung radiologischer Befunde nach klaren Vorgaben und Terminologie. Durch feste Kapitel, Checklisten und Scores werden Vollständigkeit und Vergleichbarkeit gesichert. Sie schafft eine gemeinsame Sprache zwischen Radiologie und Klinik, erleichtert die interdisziplinäre Kommunikation und bildet die Basis für Qualitätssicherung, Lehre und datengetriebene Auswertungen. Die strukturierte Befundung ist Grundlage für eine präzise und vollständige Bildanalyse. Ein systematischer Ansatz reduziert das Risiko, wichtige Befunde zu übersehen – insbesondere im Zusammenhang mit dem Satisfaction-of-Search-Phänomen (SOS), bei dem nach einem ersten auffälligen Befund weitere Veränderungen unentdeckt bleiben. Ziel ist eine verlässliche, klare und reproduzierbare Befundungspraxis.

Übersicht

SB Thorax

Die Thoraxaufnahme ermöglicht eine schnelle, strukturierte Beurteilung von Lunge, Pleura, Mediastinum, Herz und knöchernen Strukturen. Die systematische Analyse beginnt mit technischen Kriterien und führt anschließend Schritt für Schritt durch die anatomischen Bereiche zur sicheren Erkennung relevanter Befunde.

SB Thorax

Die Thoraxaufnahme ermöglicht eine schnelle, strukturierte Beurteilung von Lunge, Pleura, Mediastinum, Herz und knöchernen Strukturen. Die systematische Analyse beginnt mit technischen Kriterien und führt anschließend Schritt für Schritt durch die anatomischen Bereiche zur sicheren Erkennung relevanter Befunde.

Qualitätskriterien

  • Projektion: PA bevorzugt; AP bei Bettaufnahme
  • Inspiration: ≥ 10 dorsale Rippen sichtbar
  • Rotation: mediale Claviculae symmetrisch zur Wirbelsäule
  • Belichtung: Wirbelkörper hinter Herzkontur erkennbar
  • Scapulae: bei PA aus dem Lungenfeld
  • Darstellung: Apizes bis Kostophrenische Winkel vollständig
  • Artefakte: Kleidung, Haare, Elektroden, Schläuche

Knochen & Weichteile

  • Rippen (Frakturen, Osteolysen, Metastasen, alte Verletzungen)
  • Claviculae, Scapulae, Sternum
  • Wirbelsäule (Alignment, Frakturen, Deformitäten)
  • Weichteile: subkutanes Emphysem, Schwellungen, Fremdkörper

Lungenparenchym

  • Transparenz & Dichteverteilung beidseits
  • Infiltrate: lobär, alveolär, interstitiell
  • Atelektasen (Volumenminderung, Verziehung)
  • Noduli & Herde (Größe, Lokalisation)
  • Emphysem, Bullae, Überblähung
  • Gefäßzeichnung (verstärkt / reduziert)

Systematik: Apizes → Hilus → lateral → basal

Pleura

  • Pneumothorax (Pleuralinie, keine Gefäße peripher)
  • Tiefes Sulcuszeichen (AP, supiniert)
  • Erguss (Meniskuszeichen, Verschattung basal)
  • Pleuraverdickung, Schwarten, Verkalkungen

Herz & Mediastinum

  • Herzgröße (CTR < 0.5 bei PA verwertbar)
  • Konturen: Aortenbogen, Pulmonalarterie, linkes Herz, rechte Herzseite
  • Tracheamittellinie und Abweichungen
  • Hilusstrukturen, Lymphadenopathie
  • Mediastinale Erweiterung? (Trauma, Dissektion, Tumor)

Zwerchfell & Oberbauch

  • Zwerchfellkuppen (rechts höher als links)
  • Kostophrenische Winkel frei?
  • Freie Luft subdiaphragmal?
  • Magenblase links sichtbar

Fremdmaterial & Geräte

  • ET-Tubus: 3–5 cm oberhalb der Carina
  • CVC/PICC: Spitze V. cava superior an RA-Grenze
  • Pacer/ICD: Lage & Sondenverlauf
  • Thoraxdrainage: Position & Seitlöcher intrathorakal
  • NG-Sonde / OP-Material / Clips

10-Sekunden-Check

  • Projektion & Inspiration korrekt?
  • Rippen komplett → Lunge → Pleura → Herz
  • Zwerchfell & Winkel frei?
  • Geräte korrekt?

SOS-Hinweis

SOS-Fallen: Nach erstem Befund gezielt weiter prüfen (Pneumothorax, Rippenfraktur, Hilus, Atelektasen, Fremdmaterial-Lage).

SB Wirbelsäule

Die strukturierte Beurteilung der Wirbelsäule erfolgt abschnittsbezogen unter Berücksichtigung anatomischer Besonderheiten. Im Fokus stehen Achsverhältnisse, Wirbelkörperkonturen, Bandscheibenräume sowie knöcherne und ligamentäre Verletzungszeichen. HWS, BWS und LWS werden jeweils separat und systematisch beurteilt.

SB HWS

Die Halswirbelsäule wird systematisch beurteilt, um traumatische, degenerative und entzündliche Veränderungen sicher zu erkennen. Besonderes Augenmerk liegt auf Achserhalt, Wirbelkörperkontinuität und indirekten Zeichen einer Instabilität. Die Beurteilung erfolgt frontal und lateral, ergänzt durch Zielaufnahmen bei Bedarf.

Qualitätskriterien

  • Seitaufnahme: Wirbel C1 bis Th1 sichtbar
  • Densaufnahme (open-mouth): Dens frei einsehbar, laterale Massen von C1 symmetrisch
  • Keine Rotationsfehlstellung
  • Weichteile prävertebral sichtbar
  • Neutralposition (keine Überstreckung/Hyperflexion bei Trauma ohne Freigabe)

Achsverhältnisse

  • Vordere Wirbelkörperlinie
  • Hintere Wirbelkörperlinie
  • Spinalkanal-/Lamina-Linie
  • Weichteillinie
  • Stufenbildung?

Wirbelkörper & Bandscheiben

  • Wirbelkörperhöhe erhalten?
  • Endplatten regelrecht?
  • Bandscheibenräume gleichmäßig?
  • Kompressionszeichen, Keilwirbel?
  • Subchondrale Sklerose / Osteophyten?

Dens & Atlas (C1/C2)

  • Densform und -kontinuität
  • Atlantodentaler Abstand (ADW): < 3 mm
  • Laterale Massen symmetrisch
  • Jefferson-Fraktur? (Überstand C1-Bögen)

Facettengelenke & Processus

  • Facettengelenke korrekt übergreifend?
  • Keine Perching/Locked Facets?
  • Dornfortsätze in Linie?
  • Frakturen der Quer- oder Dornfortsätze?

Weichteile

  • Prävertebrale Weichteile nicht verbreitert
  • Hämatomzeichen?
  • Tracheamittellinie

Instabilitätszeichen

  • Translation > 3,5 mm
  • Winkelabweichung > 11° zwischen angrenzenden Wirbeln
  • Fehlstellung C1/C2
  • Verbreiterter Atlantodentalspalt

Fremdmaterial

  • Osteosynthesematerial korrekt positioniert?
  • Fusion/Platten/Schrauben stabil?
  • Verlauf von Tuben und Kathetern (falls vorhanden)

10-Sekunden-Check

  • C1–Th1 sichtbar?
  • Anatomische Linien durchgängig?
  • Dens & laterale Massen intakt?
  • Keine Stufen / Instabilitätszeichen?
  • Weichteile unauffällig?

SOS-Hinweis

SOS-Fallen: Wenn eine Verletzung gefunden: gesamten Verlauf prüfen (C1–Th1), Dens, Facetten, Weichteile. Bei Verdacht → CT/MRT erwägen.

SB BWS

Die Brustwirbelsäule wird systematisch auf Frakturen, degenerative Veränderungen, Achsabweichungen und pathologische Dichteveränderungen beurteilt. Aufgrund der anatomischen Übergänge und Überlagerungen ist eine klare strukturierte Analyse essenziell. Besonderes Augenmerk gilt der Kontinuität der Wirbelkörper und posterioren Elemente sowie indirekten Instabilitätszeichen.

Qualitätskriterien

  • Seitaufnahme: Wirbelkörper Th1–Th12 möglichst vollständig
  • AP: Wirbelkörper symmetrisch, kein Rotationsfehler
  • Gleichmäßige Darstellung trotz Überlagerung durch Schultergürtel/Herz
  • Weichteile beurteilbar

Achsverhältnisse

  • Vordere Wirbelkörperlinie
  • Hintere Wirbelkörperlinie
  • Linie der Dornfortsätze
  • Kyphose natürlich erhalten?
  • Stufenbildung?

Wirbelkörper & Bandscheiben

  • Wirbelkörperhöhe erhalten?
  • Keilwirbel / Kompressionsfrakturen?
  • Endplattenform regelmäßig?
  • Bandscheibenräume gleichmäßig?
  • Osteochondrose / Spondylose?

Pedikel & Processus

  • Pedikel symmetrisch, keine Aufhellung/Destruktion
  • Dorn- und Querfortsätze intakt?
  • Frakturzeichen an posterioren Elementen?

Weichteile & Rippenbezug

  • Paravertebrale Weichteile unauffällig
  • Rippenansätze (Kostotransversalgelenke) prüfen
  • Kein paravertebraler Schatten (Hämatom/Abszess)?

Thorakaler Markraum

  • Osteolysen / Sklerosen?
  • Pathologische Wirbelkörperform (Metastasen, Myelom)?
  • Veränderte Dichte/Pedikelzeichen?

Instabilitätszeichen

  • Wirbelkörperhöhenminderung > 50%
  • Stufenbildung an Wirbelkörperlinien
  • Fraktur posteriorer Elemente
  • Segmentale Kyphosesteigerung

Fremdmaterial

  • Stabilisierungssysteme in korrekter Lage?
  • Schraubenposition, Plattenverlauf?
  • Fusion beurteilen

10-Sekunden-Check

  • Wirbelkörperkontinuität?
  • Pedikel beidseits sichtbar?
  • Keine Keilung / Stufenbildung?
  • Keine osteolytischen Läsionen?
  • Rippenansätze intakt?

SOS-Hinweis

SOS-Fallen: Bei Wirbelkörperfraktur stets posterioren Anteil prüfen → Instabilität möglich. Paravertebral Schatten → Hämatom/Infekt erwägen.

SB LWS

Die lumbale Wirbelsäule wird strukturiert hinsichtlich Achsverhältnissen, Wirbelkörperkontinuität, Bandscheibenräumen und posterioren Elementen beurteilt. Häufige Fragestellungen betreffen traumatische Läsionen, degenerative Veränderungen und Instabilitätszeichen. Eine klare Systematik unterstützt die sichere Beurteilung trotz Überlagerung durch Becken und Weichteile.

Qualitätskriterien

  • AP: Beckenkämme symmetrisch, keine Rotation
  • Seitaufnahme: L1–S1 sichtbar, idealerweise inkl. Übergang zu Th12
  • Neutralposition ohne Hyperflexion/-extension
  • Weichteile beurteilbar

Achsverhältnisse

  • Vordere Wirbelkörperlinie
  • Hintere Wirbelkörperlinie
  • Linie der Dornfortsätze
  • Lordoseform erhalten?
  • Stufenbildung?

Wirbelkörper & Bandscheiben

  • Wirbelkörperhöhe gleichmäßig?
  • Keilung/Kompressionsfraktur?
  • Endplattenform regelmäßig?
  • Bandscheibenräume gleichmäßig?
  • Osteochondrose / Spondylose?

Posteriorer Anteil

  • Pedikel symmetrisch
  • Facettengelenke erkennbar?
  • Interartikularportion (Pars) intakt?
  • Dornfortsätze durchgehend?

Sakralregion & Iliosakralgelenke

  • Lumbosakraler Übergang (L5/S1) beurteilbar
  • ISG symmetrisch?
  • Spondylolisthesis? (Meyerding)
  • Sklerose/Irregularitäten (z.B. Sakroiliitis)

Weichteile

  • Paravertebrale Weichteile unauffällig
  • Aortenverkalkungen / aneurysmatische Zeichen?
  • Nierenregion, retroperitoneale Strukturen beachten

Läsions-/Instabilitätszeichen

  • Höhenminderung > 50%
  • Stufenbildung / Translationsbewegung
  • Fraktur posteriorer Elemente
  • Verbreiterung Interpedikulärabstand
  • Indirekte Zeichen einer Spondylolyse/-listhese

Degenerative Zeichen

  • Osteophyten / Spondylose
  • Diskusraumverschmälerung
  • Wirbelgelenkarthrose
  • Sklerose der Deck-/Grundplatten

Fremdmaterial

  • Pedikelschraubenlage korrekt?
  • Platten/Instrumentierung stabil?
  • Interponiertes Material/ Cage-Beurteilung

10-Sekunden-Check

  • L1–S1 sichtbar?
  • Achsabweichung / Stufen / Listhese?
  • Wirbelkörperform normal?
  • Pars interarticularis intakt?
  • ISG symmetrisch?

SOS-Hinweis

SOS-Fallen: Bei Kompressionsfrakturen posterioren Anteil prüfen → Instabilität? L5/S1-Übergang nicht übersehen. Pars-Defekte gezielt suchen.

SB Obere Extremitäten

Die strukturierte Befundung der oberen Extremitäten umfasst die Beurteilung knöcherner Strukturen, Gelenkstellungen, Weichteile sowie Zeichen von Traumata oder degenerativen Veränderungen. Schulter, Ellenbogen und Hand werden jeweils getrennt analysiert, wobei projektionstypische Besonderheiten berücksichtigt werden.

SB Schulter

Die strukturierte Beurteilung der Schulter umfasst die Analyse von Gelenkstellung, knöchernen Strukturen, Glenohumeralgelenk und AC-Gelenk sowie Weichteilen. Ziel ist das Erkennen traumatischer und degenerativer Veränderungen sowie indirekter Zeichen einer Instabilität.

Qualitätskriterien

  • Richtige Projektionen: a.p., Y-Aufnahme/Scapula-Y, axial (wenn möglich)
  • Humeruskopf vollständig dargestellt
  • Glenoid und AC-Gelenk erkennbar
  • Keine relevante Rotation / gute Durchbelichtung

Gelenkstellung & Alignment

  • Glenohumeralgelenk: Kongruenz Humeruskopf–Glenoid?
  • Luxation? (anterior/posterior/inf/superior)
  • AC-Gelenkweite und Höhenvergleich
  • Clavicula/Laterale Scapula/Acromion-Konfiguration

Humeruskopf & Humerusschaft

  • Kopfkontur regelrecht?
  • Frakturlinien / Impressionen?
  • Hill-Sachs-Läsion?
  • Schaft: Frakturen, Rotationsfehler?

Glenoid & Scapula

  • Glenoidrand vollständig?
  • Bony Bankart / Glenoidrim-Defekt?
  • Scapulakontur: Corpus, Spina, Processus coracoideus
  • Y-Aufnahme: Überlagerung von Kopf und Glenoid

AC-Gelenk

  • Gelenkspalt erhalten?
  • Akromioklavikuläre Stufe?
  • Rockwood-Zeichen (Höhenversatz)?
  • Degeneration/Osteophyten?

Akromion/Subakromialraum

  • Subakromialraum: Höhe erhalten?
  • Akromionform (Hakenform → mögliche Impingement-Hinweise)
  • Rotatorenmanschettenzeichen indirekt?

Weichteile

  • Kalkareale (Tendinosis calcarea?)
  • Schwellung/Weichteilbetonung?
  • Fremdkörper / Verkalkungen

Fremdmaterial

  • Schrauben/Endoprothesen: Lage, Achsverlauf
  • Sehnenanker korrekt?
  • Postoperative Veränderungen

10-Sekunden-Check

  • Luxation ausgeschlossen?
  • Glenoid-/Humeruskonturen intakt?
  • AC-Gelenk symmetrisch?
  • Subakromialraum erhalten?
  • Keine Frakturzeichen?

SOS-Hinweis

SOS-Fallen: Bei Luxation Bankart-Läsion und Hill-Sachs gezielt suchen. Hintere Luxation nicht übersehen (axial/Y-Aufnahme wichtig).

SB Ellenbogen

Die strukturierte Beurteilung des Ellenbogens dient der Detektion von Frakturen, Luxationen, ligamentären Verletzungen und degenerativen Veränderungen. Neben Gelenkstellung und Kontinuität der Knochen sind Weichteilzeichen und die Beurteilung gelenknaher Strukturen entscheidend.

Qualitätskriterien

  • Standard: a.p. und seitlich; ggf. schräge Aufnahmen
  • Trochlea, Capitulum, Olekranon klar abgebildet
  • Gelenkspalt beurteilbar
  • Keine Rotationsfehler

Alignment & Gelenkstellung

  • Capitulum-Humerus-Achse: Radius zeigt auf Capitulum in jeder Ebene
  • Ellenhakenlage im Seitenbild korrekt?
  • Luxation / Subluxation?
  • Carrying angle Beurteilung (AP)

Distaler Humerus

  • Kondylenform und -kontinuität
  • Epikondylen (Frakturen/Avulsionen?)
  • Trochlea/Capitulum glatt begrenzt?
  • Suprakondyläre Frakturen?

Proximaler Radius & Ulna

  • Radiuskopf: Frakturlinien, Stufenbildung
  • Radiushalsform?
  • Olekranonkontur deutlich?
  • Koronoidfortsatz (Frakturen?)

Weichteile

  • Fettpolsterzeichen (vorderes/hinteres Fat Pad)
  • Schwellung / Hämatomzeichen
  • Erguss (indirektes Frakturzeichen)

Typische Fraktursituationen prüfen

  • Suprakondylär
  • Capitulum / Trochlea
  • Radiuskopf/-hals
  • Olekranon
  • Koronoidfortsatz

Fremdmaterial

  • Schrauben/Platten/Pins korrekt?
  • Gelenknahe Implantate stabil?
  • OP-Materiallage

10-Sekunden-Check

  • Radius zeigt auf Capitulum?
  • Laterales/mediales Fettpolster?
  • Gelenkspalt gleichmäßig?
  • Olekranon + Radiuskopf intakt?
  • Keine Stufen / avulsionsverdächtige Stellen?

SOS-Hinweis

SOS-Fallen: Bei Erguss oder Fat-Pad-Zeichen Fraktur aktiv suchen (v.a. Radiuskopf, Suprakondylär, Koronoid). Posterior Fat Pad ist immer pathologisch.

SB Hand

Die strukturierte Beurteilung der Hand umfasst die Analyse von Knochenkonturen, Gelenken, Achsverhältnissen und Weichteilen. Ziel ist das sichere Erkennen traumatischer, degenerativer und entzündlicher Veränderungen sowie subtiler Band- und Sehnenverletzungen.

Qualitätskriterien

  • a.p. und seitlich, ggf. schräg
  • Scharfe Abbildung der distalen Radius-/Ulnaanteile bis Fingerspitzen
  • Gelenkspalten beurteilbar
  • Kein Rotationsfehler (namentlich bei Fingern)

Alignment & Achsen

  • Längsachsen: Radius → Capitatum → 3. Metakarpale in Linie
  • Digitale Achsen in AP parallel?
  • Keine Rotationsstellungen (Fingernägel „parallel“)
  • Metakarpalwinkel symmetrisch?

Carpus

  • Gilula-Linien I–III durchgehend?
  • Skapholunäre und lunotriakorporale Beziehung
  • Terry-Thomas-Zeichen (skapholunäre Lücke)?
  • Lunäre Stellung: dorsalflektiert/volar gekippt?
  • Frakturen: Os scaphoideum, Trapezium, Hamulus ossis hamati

Metakarpalia

  • Frakturen/Impaction („Boxer’s fracture“ an MHK V)?
  • Rotationsfehler (Vergleich Nagelstellungen)?
  • Basisfrakturen (Bennett-/Rolando-Fraktur am Daumen)?

Phalangen

  • Grund-/Mittel-/Endphalanx: Kontinuität, Stufen?
  • Avulsionsfrakturen (z. B. „Mallet Finger“)?
  • Luxationen / Subluxationen DIP/PIP/MCP?
  • Weichteilschatten (Tenosynovitis, Hämatom)?

Gelenke

  • MCP-/PIP-/DIP-Gelenke konturiert & spaltfrei?
  • Degeneration (Gelenkspaltverschmälerung, Osteophyten)?
  • Erosionen (entzündlich)?
  • Chondrocalcinose?

Weichteile

  • Schwellung / Hämatom
  • Fremdkörper (Metall/Glas)
  • Sehnenzugrichtung beurteilen (indirekt)

Fremdmaterial

  • Drähte/Schrauben/Platten korrekt positioniert?
  • Keine Stufenbildung / kein hardware-assoziierter Ausriss?

10-Sekunden-Check

  • Gilula-Linien erhalten?
  • Keine skapholunäre Lücke?
  • Digitale Rotation physiologisch?
  • Keine diskrete Avulsionsfraktur?
  • Weichteile frei von Fremdkörpern?

SOS-Hinweis

SOS-Fallen: Skaphoidfraktur, skapholunäre Instabilität, Bennett-Fraktur, Hamulus-Fraktur, kleine Avulsionsfragmente → bei Verdacht immer gezielt nachverfolgen.

SB Untere Extremitäten

Die Befundung der unteren Extremitäten erfolgt strukturiert anhand der relevanten Gelenke und anatomischen Regionen. Hüfte, Knie und Fuß werden einzeln beurteilt mit Fokus auf Achsen, Gelenkspalt, knöcherne Kontinuität und Weichteile sowie traumatische und degenerative Veränderungen.

SB Hüfte

Die strukturierte Befundung der Hüfte umfasst die Beurteilung der Becken- und Hüftgelenksanatomie, Achsverhältnisse, knöcherner Kontinuität sowie indirekter Zeichen für Frakturen oder Instabilität. Häufige Fragestellungen betreffen traumatische Verletzungen, Coxarthrose und femoroazetabuläre Morphologien.

Qualitätskriterien

  • a.p. Beckenaufnahme, korrekte Beckenrotation (Symphyse mittig)
  • Beide Hüftgelenke sichtbar
  • Beurteilbare Gelenkspalte
  • Keine Überrotation / Beinposition dokumentieren (innenrotiert für Schenkelhalsbeurteilung)

Alignment & Beckenring

  • Symmetrie des Beckens (Foramina obturatoria, Darmbeinschaufeln)
  • Sacroiliac-Gelenke symmetrisch?
  • Sakrum zentriert?
  • Beckenringkontinuität (vorderer/hinterer Ring)
  • Instabilitätszeichen (z. B. „open book“)

Schenkelhals & Femurkopf

  • Kontur Femurkopf gleichmäßig?
  • Schenkelhals: Treppenbildung/Frakturlinien?
  • Impaktionszeichen (mediale Kortexdruckzone)?
  • Subkapital-/pertrochantär-/intertrochantäre Fraktur?
  • Femurkopfposition im Acetabulum?

Trochanterregion & Femurschaft

  • Trochanter major/minor Kontur intakt?
  • Avulsionsfragmente?
  • Begleitfrakturen am proximalen Femur?
  • Femurschaft beurteilbar?

Acetabulum

  • Vordere/hintere Wand/Kante regelrecht?
  • Brüche der Pfanne?
  • Dachsteile / Zeichen für Dysplasie?
  • Femorale Überdachung beurteilen (Coxa profunda?)

Gelenkspalt & Knorpelzeichen

  • Gleichmäßig erhalten?
  • Verschmälerung (Coxarthrose)?
  • Osteophyten? Subchondrale Sklerose?
  • Geröllzysten?

Weichteile

  • Weichteilschatten/Eingesprengte Luft?
  • Hämatomzeichen?
  • Gefäßverkalkungen (A. femoralis)?

Fremdmaterial

  • Hüft-TEP: Sitz, Achsen, Luxationszeichen?
  • Schrauben/Platten korrekt?
  • Keine Lockerungszeichen (osteolytische Zonen)?

10-Sekunden-Check

  • Becken symmetrisch? SI-Gelenke gleich?
  • Schenkelhalskontur glatt?
  • Kein Höhenverlust im Schenkelhals?
  • Acetabularkontur intakt?
  • Keine Avulsionen an Trochanteren?

SOS-Hinweis

SOS-Fallen: Subtile Schenkelhalsfrakturen, Acetabulumränder, posteriorer Beckenring, Trochanter-Avulsion. Bei Verdacht → CT.

SB Knie

Die strukturierte Beurteilung des Knies umfasst die Analyse der knöchernen Strukturen, Gelenkflächen und Weichteile. Neben traumatischen Läsionen stehen Achsabweichungen, degenerative Veränderungen und Zeichen intraartikulärer Prozesse im Fokus.

Qualitätskriterien

  • a.p. und seitlich; Patella-Tangentialaufnahme bei Bedarf (axial/Merchant)
  • Gelenkspalte gut einsehbar
  • Tibia plateau und Femurkondylen symmetrisch
  • Patellastellung beurteilbar
  • Keine Rotationsfehler

Achsverhältnisse & Alignment

  • Achse femur–tibia gerade?
  • Varus/Valgus-Fehlstellung beachten
  • Tibiaplateau horizontal?
  • Joint line congruent?

Femur & Tibia

  • Femurkondylen glatt begrenzt?
  • Tibiaplateau beurteilbar (Stufen/Einsenkung)?
  • Osteolysen / Sklerosen?
  • Subtile Impressionen (z. B. Segond-Fraktur)?

Fibula

  • Fibulaköpfchen intakt?
  • Proximale Fibulafraktur?
  • Begleitverletzungen bei Außenbandtrauma beachten

Patella & Streckapparat

  • Patellaform & -höhe (Patella alta/baja)?
  • Patellarkontur glatt, keine Frakturlinie?
  • Patellarsehne und Quadrizepssehne indirekt beurteilbar
  • Patellofemorales Alignment?

Gelenkspalt & Knorpelzeichen

  • Gleichmäßige Gelenkspaltbreite?
  • Medial ggf. verschmälert (O-Bein-Arthrose)
  • Subchondrale Sklerose & Osteophyten?
  • Zysten (Geröllzysten)?

Weichteile & Ergusszeichen

  • Gelenkerguss (Aufhellung suprapatellar, „sail sign“)?
  • Hämatomzeichen?
  • Weichteilschwellung
  • Fremdkörper

Typische Frakturen

  • Tibiakopf-Fraktur (Depression/Stufe)
  • Patellafraktur (quer/vertikal/Trümmer)
  • Interkondyläre Eminenzfraktur
  • Segond-Fraktur (indirekt ACL-Hinweis)

Fremdmaterial

  • TEP: Position, Rotationsstellung, Lagerspiel
  • Schrauben/Platten korrekt?
  • Keine Lockerungszeichen?

10-Sekunden-Check

  • Varus/Valgus-Achse?
  • Tibiaplateau ohne Stufe?
  • Patellakontur & Höhe?
  • Keine Segond-Fraktur?
  • Erguss vorhanden?

SOS-Hinweis

SOS-Fallen: Segond-Fraktur übersehen → ACL-Ruptur mitdenken. Subtile Tibiaplateau-Einsenkungen. Patellafraktur vs. bipartite Patella.

SB Fuß & OSG

Die strukturierte Beurteilung des Fußes und oberen Sprunggelenks umfasst die Analyse von Achsverhältnissen, Gelenkspalten, knöchernen Strukturen und Weichteilen. Ziel ist die sichere Erkennung traumatischer und degenerativer Veränderungen sowie subtiler Band- und Sehnenverletzungen.

Qualitätskriterien

  • a.p., seitlich und schräg (OSG zusätzlich in Mortise-Ansicht)
  • Gelenkspalten beurteilbar
  • Keine Rotationsfehler
  • Fußgewölbe in Seitenaufnahme erkennbar

Alignment & Achsen

  • Sprunggelenk mortise-konform (gleichmäßiger Gelenkspalt)?
  • Talar-Neigung und -Zentrierung
  • Fußlängs- und Quergewölbe
  • Achsenabweichung (Varus/Valgus)

OSG / Talus / Fibula / Tibia

  • Sprunggelenkspalt gleichmäßig?
  • Talarvorschub / -kippung?
  • Laterale/mediale Malleolusfrakturen?
  • Posteriorer Malleolus?
  • Talar-Dome-Kontur (Osteochondrale Läsionen?)

Fußwurzel

  • Calcaneus, Talus, Os naviculare prüfen
  • Chopart-/Lisfranc-Gelenklinie durchgängig?
  • Frakturen des Os naviculare/Os cuboideum?
  • Böhler-Winkel (Calcaneus) in Seitenaufnahme

Mittelfuß

  • Metatarsalia: Kontinuität, Stufen?
  • Basis MT II prüfen (Lisfranc-Verletzung)
  • Avulsionsfragmente am MT-Basisbereich?
  • Jones-Fraktur / Stressfrakturen MT V?

Vorfuß / Zehen

  • Grund-, Mittel-, Endphalangen intakt?
  • Luxationen / Subluxationen?
  • Sesambeine am Hallux beurteilen
  • Kleinere Avulsionsfrakturen?

Weichteile

  • Weichteilschwellung / Erguss?
  • Weichteilluft (Infekt/Trauma)?
  • Fremdkörper (Metall, Glas)?
  • Achillessehnenregion indirekt beurteilbar

Fremdmaterial

  • Osteosynthese korrekt? (Schrauben, Platten, Nägel)
  • Keine Lockerungs-/Durchtrittszeichen
  • Operationsergebnisse (z. B. Arthrodese) prüfen

10-Sekunden-Check

  • Sprunggelenkspalt symmetrisch?
  • Keine Lisfranc-Stufe?
  • MT-Basis II & V prüfen
  • Böhler-Winkel erhalten?
  • Keine Talar-Dome-Delle?

SOS-Hinweis

SOS-Fallen: Lisfranc-Verletzungen, Jones-Fraktur, osteochondrale Talusschäden, posteriorer Malleolus. Bei Verdacht → CT/MRT erwägen.

SB Abdomen

Die strukturierte Beurteilung des Abdomens im Röntgenbild umfasst die Analyse von Gasverteilung, Darmkonfiguration, Organprojektionen, Kalk- und Fremdstrukturen sowie Zeichen einer freien Luft oder abdominellen Gefäßverkalkungen. Technische Kriterien und klinischer Kontext sind entscheidend für die Interpretation.

SB Abdomen (Röntgen Abdomen)

Die strukturierte Beurteilung des Abdomens konzentriert sich auf Darmgasverteilung, freie Luft, Verkalkungen, Weichteilschatten und Fremdmaterial. Die Befundung erfolgt im klinischen Kontext (v. a. Ileus, Perforation, Harnsteine, Verkalkungen).

Qualitätskriterien

  • Aufnahmeart dokumentiert (stehend/liegend; ggf. Seitenlage)
  • Zwerchfellkuppen sichtbar bei stehender Aufnahme
  • Becken vollständig abgebildet
  • Belichtung für Weichteil- und Gasdifferenzierung geeignet
  • Keine störenden Artefakte (Kleidung, Knöpfe, Schläuche prüfen)

Darmgasverteilung

  • Dünndarm: zentral, falten bis zur Mitte (Kerckring-Falten)
  • Kolon: peripher, Haustren sichtbar
  • Rektumgas vorhanden?
  • Übermäßige Dilatation? (Dünndarm > 3 cm / Kolon > 6 cm / Caecum > 9 cm)

Ileuszeichen

  • Dünndarmileus: Mehrere Luft-Flüssigkeitsspiegel, Kerckring-Falten
  • Kolonileus: Haustrabänder, Kolondilatation
  • Übergangsstelle gesucht?
  • Sentinel loops (lokale Dünndarmdilatation bei Entzündung)

Freie Luft / Perforationszeichen

  • Subdiaphragmale Luft (stehend)
  • Rigler-Zeichen (beidseitige Darmwandbegrenzung)
  • Falciform Ligament sign
  • Football sign (massive freie Luft)
  • Luft entlang der Bauchwand / Retroperitoneum?

Weichteile & Organprojektionen

  • Leber-/Milzschatten, Nierenkonturen
  • Harnblase sichtbar?
  • Psoasschatten beidseits erkennbar?
  • Rückenmuskulaturen symmetrisch?
  • Hernienregionen prüfen (indirekt)

Verkalkungen

  • Ureter-/Nierensteine?
  • Gallensteine? (Radiodichte vs. nicht sichtbar)
  • Gefäßverkalkungen (Aorta, Iliakalgefäße)
  • Pankreasverkalkung (chron. Pankreatitis)

Pathologische Hinweise

  • Weichteilmasse? Verschiebung von Gasstrukturen?
  • Sentinel loops / Cut-off-Signs
  • Fäkallast im Kolon
  • Stuhl-/Gasverteilung (Obstipation?)

Fremdmaterial

  • Stents, Clips, Klammern, IUD / Katheter
  • Drainagen korrekt in Position?
  • PEG-Sonde / Ernährungssonden
  • OP-Material und Anastomosenregion prüfen

10-Sekunden-Check

  • Zwerchfell sichtbar? Freie Luft?
  • Darmverteilung logisch? Übergangsstelle sichtbar?
  • Dilatationsgrenzen überschritten?
  • Psoasschatten erkennbar?
  • Verkalkungen / Fremdmaterial?

SOS-Hinweis

SOS-Fallen: Kleine freie Luftmengen, frühzeitige Ileuszeichen, sentinel loops bei akuter Pankreatitis/Appendizitis. Bei klinischem Verdacht → CT bevorzugen.

SB Schädel

Die Befundung des Schädels konzentriert sich auf Kontinuitäten der Kalotte und Schädelbasis, Sinusbelüftung, Weichteile sowie erweiterte Darstellung von Traumazeichen. Ein strukturierter Ablauf unterstützt die sichere Beurteilung trotz der begrenzten diagnostischen Aussagekraft gegenüber CT.

SB Schädel

Die konventionelle Schädelaufnahme hat heute einen eingeschränkten Stellenwert, wird jedoch bei bestimmten Fragestellungen weiterhin eingesetzt (Trauma-Basisdiagnostik, Sinus, postoperative Kontrolle, Fremdkörpernachweis). Fokus liegt auf knöcherner Kontinuität, pneumat. Räumen, Weichteilen und Fremdmaterial.

Qualitätskriterien

  • Standardansichten: a.p., lateral; ggf. Waters-/Caldwell-Projektion
  • Basis, Kalotte und Gesichtsschädel einsehbar
  • Symmetrische Darstellung (Orbitapparate, Nasenseptum)
  • Ausreichende Belichtung zum Erkennen feiner Strukturen

Kalotte

  • Kontur durchgängig? Frakturlinien?
  • Diploë-Struktur erhalten?
  • Keine Stufenbildung / Impression?
  • Osteolysen / sklerotische Herde?

Schädelbasis

  • Foramina und Sella-Region unauffällig?
  • Frakturverdacht: Luft im Sinus sphenoidalis? pneumatisierter Knochen?
  • Kein Stufenbild an Basisstrukturen?

Gesichtsschädel

  • Orbitakonturen erhalten? Blow-out-Fraktur?
  • Jochbogen, Zygomatikabogen intakt?
  • Nasenbein/Septumbeurteilung
  • Maxilla/Mandibula auf Durchgängigkeit prüfen

Sinus

  • Luftspiegel / Verschattung?
  • Schleimhautschwellung?
  • Postoperative Veränderungen?
  • Pneumatisierung symmetrisch?

Weichteile

  • Schwellungen / Hämatomzeichen?
  • Weichteilluft (Trauma/Infekt)?
  • Fremdkörpernachweis (Metall/Glas)?

Fremdmaterial

  • Platten/Schrauben korrekt?
  • Shunts/Elektrodenlage?
  • Clips/OP-Material

10-Sekunden-Check

  • Kalottenkontinuität?
  • Orbitaboden & Jochbogen?
  • Sinus belüftet?
  • Kein Schatten im Sinus sphenoidalis?
  • Keine Fremdkörper?

SOS-Hinweis

SOS-Fallen: Subtile Basisfrakturen, Orbitabodenläsionen, Luft im Sinus sphenoidalis, kleine Fremdkörper. Bei Trauma/neurol. Symptomen → CT erste Wahl.

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